Die F2 wäre einfach besser!

Wir haben wieder eine interssante Frage auf einen unserer Artikel bekommen, die wir gerne – wie schon öfter der Fall – hier für alle Leser veröffentlichen und diskutieren wollen. Interessant dabei ist, dass diese Frage und der dazugehörige Artikel schon auf der Frage eines Elternteils beruht. Es scheint also, dass hier viele Fragen für viele Eltern im Raum stehen. Zu unserem Artikel Jugendfußball: Zu gut für seinen Jahrgang? haben wir folgende Fragestellung bekommen:

„Mein Sohn ist Jahrgang 2013 und Mitte des Jahres geboren. Er spielt in einem größeren Verein der Gegend, wobei wir sehr ländlich wohnen. Er wurde letztes Jahr in die F2 hoch gezogen, mit der Begründung, dass er doch recht gut sei. Dort spielt er jetzt ein Jahr am liebsten im Tor, aber genauso auch draußen. Was mich wirklich stört ist, dass der jetzige Trainer der F1 ihn bei Spielen (vor corona) eigentlich nur noch hinten links rein stellt. Ich finde feste Positionen in dem Alter eigentlich zu früh.
Er kann gut mithalten. Man merkt aber, dass er viel befreiter spielt, wenn er mit seinen Freunden in seiner eigengtlichen Altersklasse spielt. Er traut sich dann auch mehr.
Nun äußerte mein Sohn den Wunsch in seiner eigentlichen Altersklasse zu spielen, zusammen mit seiner Zwillingsschwester. Ich habe den Trainer der jetzigen F2 darauf angesprochen. Dieser meinte, er möchte das nicht. Er sei zu gut für seine Mannschaft, einen Torwart hat er auch schon. Er solle in der F1 bleiben und dann auch gleich nächstes Jahr in die E Jugend wechseln.
Meinem Wunsch, dass er ja ansonsten die Spiele wenigstens in seinem Jahrgang spielen kann, damit er mit seiner Zwillingsschwester spielen kann, fand er auch nicht gut. Man solle da spielen, wo man trainiert.
Mein Sohn ist mit dieser Entscheidung ziemlich unglücklich. Einen Vereinswechsel finde ich auch schwierig. Wir wohnen 10 Minuten vom Platz entfernt und es ist eigentlich der größte Verein der Gegend. Ich müsste sonst mindestens 25 Minuten fahren.
Ich weiß nicht so richtig was ich tun soll und was für meinen Sohn das Richtige ist.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.“

Das Problem liegt vereinfacht gesagt also darin, dass der Spieler eigentlich F2 Spieler wäre, was das Alter betrifft, der Verein ihn aber bei der F1 und damit den ein Jahr älteren Jungs spielen lässt. Die Gründe sind rein leistungsorientiert. Offensichtlich sieht der Verein und die entsprechenden Trainer etwas in dem Spieler, was sie zu dieser Entscheidung kommen lässt. Dies kann sein, dass der Junge ein super Fußballer ist. Es kann aber auch sein, was häufiger der Fall in diesen Altersklassen ist, dass der Spieler körperlich schon weiter entwickelt ist als andere in diesem Alter und er daher dem F1 Team mehr Erfolg bringt. So oder so – die Tatsache, dass er in seinem aktuellen F1 Team eine feste Position, nämlich die des Außenverteidigers, zugewiesen bekommt, zeigt, dass der Trainer doch sehr leistungsorientiert denkt.

Wir haben schon in einem andern Artikel darüber geschrieben, dass eine Rotation von Positionen im Ausbildungsalter einfach für die langfristige Entwicklung absolut sinnvoll ist und eine frühzeitige Fixierung eine Entwicklung im allgemeinen Sinn verhindert. Und oft sind Spieler mit ihrer Position gar nicht so glücklich oder wollen halt auch mal Stürmer spielen – dennoch werden sie verdonnert, dort zu spielen, wo der Trainer sie haben will, weil sie auf dieser Position für die Mannschaft am meisten Erfolg bringen. Wohl gemerkt – wir sprechen von einer ganz normalen F-Jugend! Und da muss die Entwicklung und nicht das Ergebnis im Vordergrund stehen!

Die Mutter schreibt es schon ganz gut: in der F1 kann er ganz gut mithalten. Aber sobald er mal mit seinem gleichaltrigen Jungs spielen kann, blüht er regelrecht auf und hat eine große Freude am Fußball. Auch mit hoher Wahrscheinlichkeit deswegen, weil er dort einer der Besseren ist und dort viel zeigen kann. In der F1 ist er noch ein Spieler, der eben mithalten kann, weil er schon weiter ist als die anderen. Aber er kann dort nicht herausragen und vor Allem Tricks, Dribblings und solche Dinge ausprobieren. Dafür ist der Druck durch die höhere Altersklasse zu groß und so hält er zwar mit und sorgt in der Abwehr für die nötigen Ergebnisse. Aber für seine technische und charakterliche Entwicklung ist dies ein Hemmschuh.

Der Spieler muss also, auch wenn er in der F2 vielleicht sogar der Beste ist, dringend in der F2 spielen. Dort ist er so gut und hat weniger räumlichen und zeitlichen Druck im Spiel und Training, dass er eben hier sich ausprobieren kann. Hier kann er ins 1 gegen 1 gehen, ohne dass bei der Ballannahme gleich ein Gegenspieler ihm auf den Zehen steht. Hier kann er Tricks, Ballannahmen und auch mal einen schweren Pass testen. Natürlich darf das nicht in einer One-Man-Show enden. Natürlich muss man ihn dazu auffordern, dass er ein- bis zweimal dribbelt und was probiert und dann seine Mitspieler einbezieht. Aber dennoch kann er sich so technisch und eben auch charakterlich weiterentwickeln. Denn weil er dort so aufblühen kann und dort herausragt, wird sich natürlich Selbstbewusstsein entwickeln. Selbstbewusstsein, das er braucht, um dann später auch gegen starke Teams zu bestehen.

Warum ihn also nicht in der F2, seinem eigentlichen Jahrgang mit seinen Freunden, spielen lassen und z.B. alle drei Spiele ihn in der F1 einsetzen, damit er genau dort bei den ein Jahr älteren Spielern auch mal das Erlernte mit Selbstbewusstsein testen kann?

Zudem hat der Spieler nun sogar selbst den Wunsch geäußert, bei der F2 zu spielen, weil er dort nicht nur befreiter aufspielen kann, sondern weil dort auch noch seine Zwillingsschwester spielt. Dass man ihm in diesem Alter in einer normalen F-Jugend diesen Wunsch verwehrt, ist verrückt. Man entscheidet nicht im Sinne des Jungen, sondern nach sportlichen Interessen der Trainer.

Was ich nun der Mutter rate? Das ist schwer, weil sie ja schon den Wunsch den Trainern mitgeteilt hat und diese dem nicht nachkommen wollen. Ein Wechsel kommt auch nicht in Frage. Die längere Fahrzeit und die Tatsache, seine Freunde nicht mehr zu sehen, stehen dem entgegen. Vielleicht hilft am Ende nochmal ein intensives Gespräch mit den Trainern oder sogar mit dem Jugendleiter, um dem eigentlich ganz Normalem und Verständlichen Nachdruck zu verleihen. Es kann doch nicht sein, dass der Junge nicht einfach Fußballspielen kann, so wie es ihm nicht nur Spaß macht, sondern so wie es in diesem Fall auch richtig und sinnvoll ist. Da hilft also wohl nur ein druckvolleres Gespräch, in welchem man das Richtige für sein Kind einfordert.

Eine gute Fußballzeit!

Herzlichst, Ihr

Michael Schuppke

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