Kurzanalyse FC Bayern gegen Schalke – Falsche Taktik und eine Schussfinte

Der FC Bayern hat den FC Schalke mal eben 8:0 zum Auftakt in die neue Bundesliga Saison aus dem Stadion geschossen. In der Halbzeit stellte im ZDF Frau Müller-Hohenstein die Frage, ob der FC Bayern zu gut und Schalke 04 zu schlecht für die Bundesliga sei. Mal unabhängig davon, dass die Frage in der Halbzeit eines Auftaktspieles völlig deplatziert ist – der FC Bayern ist natürlich eine der besten Mannschaften, die es aktuell gibt. Aber Schalke hatte schlicht auch eine kaum nachzuvollziehende Taktik gewählt.

Dass man als FC Schalke 04 in München generell mit hoher Wahrscheinlichkeit in der aktuellen Situation – der FC Bayern als Triple Sieger mit einer breiten Brust, mit einem perfekt passenden Trainer und einer Mannschaft in Topform und der FC Schalke mit einer Vorsaison zum Vergessen, Unruhen im Verein und Tönnies auf der Tribüne – als Verlierer vom Platz geht, ist klar. Dass man 3:0 oder 3:1 verliert, ist auch klar. Aber dass man 8:0 verliert , ist dann doch viel zu hoch und v.a. der Tatsache geschuldet, dass sich David Wagner für ein Mittelfeldpressing mit einer sehr hoch verteidigenden Abwehrkette entschied.

Viel zu große Abstände

Die schlichte Folge dessen: der Abstand zwischen der Abwehrkette und dem eigenen Torwart ist naturgemäß groß. Dies gegen den FC Bayern zu spielen, der auf den Flügeln mit zwei pfeilschnellen Spielern Gnabry und dem Neuzugang Leroy Sane ausgestattet ist, ist aus zweierlei Hinsicht nicht nachzuvollziehen. Erstens spielen die Bayern bei Balleroberung natürlich lange Bälle über die hoch stehende Abwehrkette in diesen großen, freien Raum zwischen Abwehr und Torwart. Dort sprinteten Gnabry und Sane immer wieder rein und waren aufgrund ihrer Schnelligkeit dann kaum zu halten. Sie waren eigentlich immer schneller am Ball als eben die verteidigenden Spieler Schalkes oder als der Torwart, der aufgrund des Abstandes auch nicht rauslaufen konnte. Von Lewandowski gar nicht zu reden, der aufgrund seiner hohen technischen Qualität ja auch lange Bälle jederzeit perfekt verarbeiten kann.

Schon früh der Sicherheit beraubt

Zweitens ist es dann in dieser Taktik nicht zu verstehen, gegen diese schnellen Spieler des FC Bayern Sebastian Rudy und Bastian Oczipka aufzubieten, die da einfach nicht mithalten können. Natürlich gibt es immer mehrere Gründe, die für so eine hohe Niederlage in Frage kommen. Aber dieser taktischer Fehler ist das zentrale Element, der das Ganze schon früh zum Einsturz brachte. Das 1:0 für die Bayern fiel genau so und sorgte damit für eine Unruhe und für ein Gefühl der Unsicherheit bei Schalke für das weitere Spiel. Und das 4:0 unmittelbar nach der Halbzeit, wo man eventuell nochmal das Spiel positiv beeinflussen hätte können, zeigt das gleiche taktische Eigentor schonungslos auf.

Es ist wie gesagt immer schwer in München zu bestehen. Aber in diesem Fall wäre z.B. ein klassisches Abwehrpressing mit einer 5er Kette und z.B. mit einem schnellen Matondo Vorne für die Umschaltmomente viel besser gewesen. Dadurch wären die Abstände zwischen Abwehr und Torwart klein gewesen und die Bayern zumindest um diese eine Stärke etwas beraubt gewesen. Und darum geht es doch, wenn man in München spielt: ganz Ausschalten kann man den FC Bayern aktuell nie, aber man kann die Wahrscheinlichkeiten eines Bayern Erfolges ein wenig verkleinern. Und mit ein wenig Glück dann auch mal einen Nadelstich setzen. Aber so?

So verliert man 8:0 und das eh schon angeschlagene Bild nach Außen wird nur noch verstärkt. Und die Bayern können dann auch noch einen drauf setzen und einen Rabona als Vorlage zum 6:0 ausprobieren.

Übrigens Ausprobieren: die von uns im Ausbildungsbereich viel trainierte Schussfinte wurde von Gnabry zum 1:0 perfekt ausgeführt. Wunderschönes Tor! Weil Tricks eben doch Sinn machen…

Eine gute Fußballzeit!

Herzlichst, Ihr

Michael Schuppke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.