Der Paragraph 17

Es gibt Dinge im Jugendfußball und speziell im Ausbildungsbereich, die manchmal gut gemeint, aber an der Sache vorbeigehen. Eines dieser Probleme ist der Paragraph 17 der Jugendordnung des Bayerischen Fußball Verbandes. Der besagt, dass eine Sperre von 15 Tagen oder maximal 2 Spielen in Kraft tritt, sobald ein Spieler einer niederklassigen Mannschaft bei der höherklassigen Mannschaft in der selben Altersklasse eingesetzt wird. Jedoch gilt das nur für den Einsatz in der ersten Halbzeit. Im Falle einer Einwechslung in der zweiten Hälfte würde diese Regel nicht greifen. Dass dies für den Ausbildungsgedanken in sehr vielen Fällen kontraproduktiv ist, zeigen wir an einem ganz konkreten Beispiel.

In einem ganz aktuellen Fall einer D-Jugend gibt es 20 Spieler. Zu wenige für zwei ganze Teams im 9 gegen 9 und zu viele für eine Mannschaft. Also entschied man sich für zwei Teams und meldete die D1 in der Kreisklasse und die D2 für das sogenannte Norweger Modell. Letzteres besagt, dass die beiden Gegner vor dem Spieltag miteinander kommunizieren und fragen, wieviele Spieler jeder zur Verfügung hat und dementsprechend so gegeneinander spielt. Meist wird dies dann im Kleinfeldfußball, also im 7 gegen 7, sein. Für den Verein eine gute Sache, denn es bekommen so alle ausreichend Spielzeit und speziell in der D-Jugend gibt es oft Kinder, die sowohl körperlich als auch technisch noch nicht so weit sind und für die wie in unserem Beispiel der Schritt ins 9 gegen 9 in einer Kreisklasse noch zu früh wäre. So können sie weiterhin im 7 gegen 7 Praxiserfahrungen sammeln und haben hier naturgemäß mehr Ballkontakte und können so mehr ausprobieren, als im verkleinerten Großfeld.

Nun gibt es Spieler, die sofort ohne lange Anlaufzeit die D1 Kreisklasse spielen können und es gibt die, die noch ein Jahr Zeit brauchen. ABER es gibt auch welche, die sich irgendwo in der Mitte davon befinden. Denen es gut tut, noch Kleinfeld zu spielen. Denen es aber auch nicht schadet, sich mal in dem ein oder anderen Spiel in der Kreisklasse auszuprobieren. Wenn man ihm als Trainer aber dazu die Gelegenheit geben will und ihn am Wochenende in der D1 mal einsetzen will, dann wird man für den guten Gedanken, den Spieler zu fördern und langsam an die Kreisklasse heranzuführen, bestraft. Setzt man ihn in der ersten Halbzeit ein, darf er danach erstmal im Norweger Modell nicht mehr mitspielen.

Das ist unserer Meinung total absurd. Es entspricht nicht unserem Ausbildungsgedanken und kann doch bei keinem wirklich ernsthaft als gute Sache angesehen werden, einen Spieler zu „bestrafen“, weil er die Chance erhält, sich auch bei der höherklassigen Mannschaft zu entwickeln. Nun kann man argumentieren, ihn erst in der zweiten Halbzeit einzusetzen. Damit entgeht man der Sperre und der Spieler kann ja trotzdem zumindest eine Hälfte spielen. Aber das will ich doch als Trainer nicht. Ich will doch diese Freiheit haben, ihn auch mal von Beginn an einzusetzen, wenn ich z.B. weiß, dass der Gegner ein wenig schwächer ist und ich diesem Spieler auch mal einen Startplatz geben kann. Sowas gibt ihm ausreichend Spielzeit, motiviert den Spieler und schafft doch auch eine positive soziale Komponente innerhalb der gesamten Verbundes aus D1 und D2. Weil es ein Miteinander und kein Gegeneinander innerhalb der ganzen D-Jugend darstellt.

Laut Verband gibt es hierfür eine Lösung: man meldet das Team im Norweger Modell in einer Liga außer Wertung an. Dann greift diese Regel nicht. Das kann man natürlich machen und wahrscheinlich hat man damit auch kein großes Problem. Nur verstehe ich den Zusammenhang nicht? Befürchtet man ernsthaft eine Wettbewerbsverzerrung, wenn so ein Spieler mal in der höherklassigen Mannschaft gespielt hat?

Das Argument des Verbandes ist schon klar: Stammspieler des Kreisklassen Teams, die schon richtig gut sind, sollen halt nicht jeder Woche im Norweger Modell helfen, um dort z.B. Meister zu werden. Das ist dann natürlich eine Wettbewerbsverzerrung. Und dafür ist diese Regel ja auch gedacht. Und absolut verständlich ist es natürlich aus Verbandssicht, wer das bei so vielen Spieler kontrollieren soll, ob denn nun ein Spieler aus dem Norweger Modell mit seriösen Absichten in der Kreisklasse eingesetzt wurde. Aber es muss doch durch die online geführten Mannschaftslisten möglich sein, durch eine einfache Umprogrammierung das eine, also das von Unten nach Oben, zu ermöglichen und das andere, das leider auch oft mißbrauchte von Oben nach Unten, zu verhindern oder eben massiv zu reglementieren. So könnte man z.B. in der Liste der Spieler in unserem Norweger Modell die Spieler markieren, die in der Kreisklasse regelmäßig eingesetzt werden dürfen.

Ein schwieriges Thema, keine Frage. Aber im Sinne des Ausbildungsgedanken speziell im goldenen Lernalter muss hier dennoch eine Anpassung stattfinden. Damit diese Spielertypen sich einfach auch bestmöglich entwickeln können.

Eine gute Fußballzeit!

Herzlichst, Ihr

Michael Schuppke

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