Müssen die Bayern jetzt auf Fehler der Konkurrenz hoffen?

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Vor drei Wochen (nach dem Champions League Spiel der Bayern in London) schrieben wir in einem Artikel, dass das 7:2 aus bayrischer Sicht den Blick auf den eigentlichen Leistungsstand des FC Bayern München trübt. Wir schrieben damals schon über die auffälligen Schwächen in der Defensive. Doch es ist ein weiteres Problem, dass den Bayern in dieser Saison noch mehr zu schaffen macht: das Verhalten nach eigener Führung.

Nach 8 Spieltagen hat der FC Bayern schon 10 Gegentore hinnehmen müssen. Das war zuletzt vor 11 Jahren unter Jürgen Klinsmann der Fall. Außerdem haben die Bayern in den 7 Spielen, in denen Sie in Führung lagen, bereits drei Mal nicht gewonnen und insgesamt 6 Punkte abgeben müssen. Auch das bisherige Programm war eigentlich eher einfach. 6 der 8 bisherigen Gegner sind in der unteren Tabellenhälfte zu finden, Köln, Augsburg, Mainz und Paderborn belegen gar die letzten 4 Plätze. Dennoch schaffen es die Münchner gerade gegen diese vermeintlich schwächeren Gegner selten zu überzeugen. Woran liegt das?

Auffällig ist, dass die Münchner sich, anders als früher, oft bereits nach knappen Führungen (1:0, 2:1) zurückziehen. Damit geben sie dem Gegner die Möglichkeit das Spiel in Ruhe aufzubauen. Dieser kann Verschnaufen und durch längere Ballbesitzphasen Selbstvertrauen entwickeln. Das Pressing, wenn es denn praktiziert wird, wirkt auch nicht durchdacht oder mit klarem Plan. Bayern positioniert sich gegen den Ball in einem 4-4-2 System mit Lewandowski und zuletzt meist Coutinho als Stürmer. Während letzterer permanent den Gegner unter Druck setzt und viel in Bewegung ist, wirkt es beim Polen oft so, als würde er nur die nötigsten Meter machen und wäre nur dann voll aktiv, wenn er die Chance hat wirklich an den Ball zu kommen. Dies ist natürlich Gift für ein geschlossenes Pressing. Ähnliches gilt für das Gegenpressing nach Ballverlusten. Auch dieses wird entweder halbherzig oder gar nicht durchgeführt. Wir erkennen hier ein klares taktisches Problem. Entweder werden diese Dinge nicht trainiert, oder die Spieler setzen die Anweisungen des Trainers schlicht nicht um. Ein weiteres Problem dieser mitunter sehr passiven Spielweise ist, dass damit auch eine Passivität in den Köpfen der Spieler einhergeht. Schwächere Gegner haben naturgemäß einen langsameren Spielaufbau, wodurch sich bei den Bayern durch fehlende Konzentration dann immer wieder Nachlässigkeiten einschleichen. Dies ist bei stärkeren Gegnern, wie z.B. Tottenham in der Champions League nicht der Fall, da jeder Spieler gegen einen solchen Gegner weiß, dass er auch gegen den Ball zu jeder Zeit hochkonzentriert sein muss. Außerdem kann, wie im Spiel gegen die Londoner gesehen, ein solcher Gegner durch Zurückziehen auch in Konter gelockt werden.

Ein schwächerer Gegner hingegen muss permanent unter Druck gesetzt werden. Er darf keine Luft zum Atmen bekommen, damit nie auch nur im Ansatz ein Funken Hoffnung aufkommt, gegen die Bayern etwas mitnehmen zu können. Guardiola z.B. hat dieses ständige Beschäftigen des Gegners perfektioniert. Dies ist nur durch konsequentes Pressing, Gegenpressing nach Ballverlust und Forechecking bis zum gegnerischen Keeper in höchstem Tempo erreichbar. Spieler die hier nicht mitziehen fallen sofort auf und müssen ausgewechselt werden. Bei den Pep-Bayern hatte man immer das Gefühl sie haben das Spiel zu jeder Zeit im Griff. Die meisten Gegner sind nur nach München gefahren, um bloß nicht zu hoch zu verlieren, haben sogar teilweise wichtige Spieler geschont, damit diese in den nachfolgenden Spielen gegen „schlagbare“ Gegner zur Verfügung stehen. Dies ist jetzt nicht mehr der Fall. Früher hätte eine Mannschaft nur dann Meister werden können, wenn die Bayern eine Schwächephase gehabt hätten. Aktuell wirkt es eher so, als wäre der FC Bayern nur deshalb noch im Meisterschaftsrennen, weil es keine andere Mannschaft schafft sich entscheidend abzusetzen. Vom alten „Mia san mia“ ist das weit entfernt…

Mit der Offensive der Bayern werden wir uns nächste Woche auseinandersetzen.

Herzliche Grüße

David Niedermeier

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