Mehmet Scholl kritisiert die Nachwuchsarbeit des DFB – zu Recht?

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Der Wirbel um Mehmet Scholl in den Medien war nicht gering. Und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In seiner Radiosendung Mehmets Schollplatten bemängelt er zum einen die Trainerausbildung des DFB. Stichwort „Laptoptrainer“. Viele dieser Trainer haben sich nun zu Wort gemeldet und sich gerechtfertigt. DFB-Chefausbilder Frank Wormuth hatte Scholls Aussagen zu einem “Hilferuf eines Enttäuschten” erklärt. Der BDFL meint sogar, dass Scholl “Maß und Form” verloren hat und attestiert ihm zudem wenig soziale Kompetenz.

Wir finden es erstaunlich, wie wenig souverän hier auf die Meinung Mehmet Scholls reagiert wird. Vor Allem deswegen, weil die eigentliche Kernaussage in der Diskussion um angeblich zu junge Trainer und reinem „Systemfußball“ komplett untergeht.

Nämlich, dass die Qualität unserer deutschen Jugendausbildung darunter leidet, wenn die Fußballlehrer als Profitrainer keinen Job finden und dann in den NLZs der Bundesliga beispielswiese als Juniorencheftrainer Ausbildungskonzepte entwickeln! Mit der Ausbildung des DFB im Rücken werden die jungen Kicker zu früh und zu häufig wie Profis trainiert. Mehmet Scholl hat es ganz gut formuliert: „Wir verlieren die Basis. Kinder müssen nur noch abspielen, dürfen nicht mehr dribbeln. Sie kriegen nicht die richtigen Hinweise, warum ein Zweikampf verloren wurde oder warum der Pass nicht ankam. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärtslaufen und furzen.“ Ein plakatives Statement. Aber was meint er damit?

Wir haben es schon mehrfach hier im Blog von MFSFussballtraining.TV geschrieben und und wollen dies erneut untermauern. Viel zu früh werden schon unsere ganz jungen Kicker in Systeme gepresst, müssen fest vorgegebene Strategien umsetzen und dürfen keinerlei Kreativität entwickeln. Schon in der U9 werden die Kinder bereits „glatt gebügelt“. Bloß nichts Besonderes ausprobieren oder einen Alleingang starten. Mal in ein Dribbling gehen, einen Trick ausprobieren. Sich dadurch technisch einfach weiterentwickeln und ein feiner Fußballer werden. Stattdessen werden im Training ausschließlich Passen, Athletik, Spielformen und Strategien trainiert. Und das Passspiel ist auch noch unsauber, weil zum einen nicht die richtigen Hinweise gegeben werden, worauf es technisch dabei ankommt. Zum anderen haben die jungen Spieler zu wenig Gefühl im Fuß, um dies überhaupt zu schaffen. Weil sonst eben technisch zu wenig im Training passiert. Damit rauben wir unseren Kindern bereits sehr früh Kreativität und die Chance sich technisch optimal individuell zu entwickeln. Leider haben wir auf Grund von zu schlechter Bezahlung im Jugendbereich zu wenig Trainer mit großer und gereifter Persönlichkeit. Somit reifen auch zu wenig Spielerpersönlichkeiten nach.

„Hör mit dem Zirkus auf“ hört man ständig auf unseren Plätzen schon im Kleinfeldbereich. Immer dann, wenn ein guter Kicker zum Beispiel im Mittelfeld eine Zidanewende macht und dann sich im weiteren Dribbling verzettelt, fällt dieser Satz. Er hätte natürlich nach der geglückten Wende abspielen müssen. Aber das muss er erst noch Lernen und die Zeit muss man ihm geben. Für die technische Entwicklung des Spielers ist dies aber genau der richtige Weg.

Begriffe wie Anlaufen, Pressen, Doppeln und Umschalten stehen fast immer im Vordergrund. Bitte nicht falsch verstehen, aber es gehören eben alle Elemente in Einklang gebracht. Strategie und Pressing erhöhen die technischen Anforderungen der spielaufbauenden Mannschaft und sind somit ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Das Überspielen des Pressings muss dabei aber zwingend technisch und mit kreativen Ideen und Finten durchgeführt werden. Leider wird dies fast immer ausschließlich durch einen langen Ball gelöst, denn Verlieren ist natürlich nicht erlaubt.

Mehmet Scholl steht im übrigen nicht alleine mit seiner Meinung da. Auch Trainer wie Daniel Bierofka (Blickpunkt Sport 2018) oder selbst Bundestrainer Joachim Löw (Sportstudio am 28. Okt. 2017 ab Minute 9) bemängeln die fehlende technische Qualität in der Breite. Es gibt unendlich viele taktisch und athletisch gut ausgebildete Spieler, aber kaum mehr Spieler die den Unterschied ausmachen können. Die die entscheidende 1 gegen 1 Situation lösen oder einen genialen Doppelpass spielen. In Zeiten von besten defensiven Strategien und von einem immer schneller werdenden Spiel ist dies aber zwingend notwendig.

Die großen Defizite bestehen im deutschen Fußball im 1 gegen 1 und in der Bereitschaft der Spieler, Risiko einzugehen – sprich kreativ zu sein und dafür die Persönlichkeit zu besitzen . Um genau diese beiden Themen umzusetzen, benötigt es Spieler, die den Mut und das Selbstvertrauen haben, auch ins Eins gegen Eins zu gehen und es auch nach dem x-ten Fehlversuch erneut zu versuchen. Spieler wie Ribery oder Robben eben.

Diese Spieler sind häufig im Umgang nicht ganz so einfach. Daher bedarf es Trainer, die mit solchen Individualisten gut umgehen können. Hier hilft eben Lebenserfahrung und Führungsstärke, die häufig bei jüngeren Trainern nicht so ausgeprägt ist wie bei älteren Trainern. Natürlich gibt es hier auch immer Ausnahmen, das ist klar. Die Gefahr bei älteren Trainer besteht jedoch darin, dass häufig auf die bewährten Trainingsmethoden und Strategien gesetzt wird und sich der Entwicklung des Fußballs versperrt wird. Ancelotti dürfte hier ein prominentes Beispiel sein.

Um die besten Talente auszubilden, braucht es eine ganzheitliche Ausbildungsphilosophie, die neben den Themen Taktik und  Athletik AUCH das Thema Technik und Individualisierung abdeckt.

Einseitige Spielphilosophien wie sie beispielsweise Red Bull Leipzig  bis in die U9 runter praktiziert, verhindern eine ganzheitliche Ausbildung. Das Umschalten steht dabei viel zu sehr im Vordergrund. Jeder Ball wird nach vorne mit maximalem Risiko gespielt und der Rest des Teams bereitet sich auf den zweiten Ball vor, um erneut ein Pressing vorzubereiten.

Diese Jungs lernen aber das technische Überspielen von Pressingsituationen nur im geringen Maße, weil die Spielphilosophie etwas anderes vorsieht. Wenn so ein Spieler später mal den Verein wechselt und zu einem Trainer kommt, der Wert auf Spielaufbau und Ballbesitz legt, hat er kaum eine Chance. Das darf nicht sein. Wenn jetzt die Süddeutsche Zeitung schreibt, dass dieses System ja immerhin einen Spieler wie Leroy Sané hervorbringt, den Scholl ja auch gut findet, dann ist das natürlich grundsätzlich nicht verkehrt. Was aber keiner zu verstehen scheint, ist die Tatsache, dass ein Sané pro Jahr zu wenig ist. Auch 5 Sanés pro Jahr sind zu wenig. Wenn der DFB ein flächendeckendes Stützpunktsystem entwickelt hat, wenn es viele NLZs mit guten strukturellen Voraussetzungen gibt, wenn die Vereine so viele Scoutingabteilungen unterhalten – dann müssen eigentlich aus den vielen, hunderten von talentierten Kindern pro Jahrgang ein Vielfaches an sehr guten Spielern rauskommen. Damit – und das meint Scholl mit blaues Wunder – die Vereine für Champions League und Euro-League genügend solche Spieler zur Verfügung haben. Denn dieser eine Leroy Sané ist dann halt schnell für viel Geld weggekauft. Und es muss ja nicht gleich ein so herausragender Spieler wie Sané sein. Wenn es mehr sehr gute bis top ausgebildete junge Spieler pro Verein gäbe, dann wäre dies leichter zu verkraften. Wir haben hier schon mal das Problem näher diskutiert (Lesen Sie dazu unseren Artikel zum Ausbildungsland Deutschland hier…)

Es braucht also eine ganzheitliche Spielphilosophie, auf dessen Basis ganzheitlich ausgebildet wird. Eine ganzheitliche Spielphilosophie bedeutet:

  1. Das Spiel flach eröffnen und versuchen das Angriffspressung des Gegners zu überspielen.(technische Anforderungen, das 1 gegen 1, Kreativität und Selbstbewusstsein wird so geschult und gefordert).
  2. Bereits im Spielaufbau die Defensive vorzubereiten (taktisches Grundverhalten).
  3. Bei Ballverlust sofort ins Gegenpressing zu gehen und von dort aus versuchen, nach Ballgewinn zu kontern (Lernen, den Ball schnell zu erobern und schnell Umzuschalten).
  4. Wenn der Gegner versucht das Spiel zu eröffnen, den Ball durch ein gelenktes Pressing zu erobern (taktische Schulung von Balleroberung).

Im Training sollte vor Allem in jungen Jahren extrem auf die technische Ausbildung, das 1 gegen 1 und die koordinativen Fähigkeiten sowie zusätzliche Individualtrainingseinheiten wertgelegt werden. Später müssen diese technischen und athletischen Anforderungen im Individualtraining positionsspezifisch durchgeführt werden. Und je älter die Spieler werden, desto mehr muss das „normale“ Teamtraining auf Athletik, Taktik und Spielformen ausgelegt werden. Die Freiheiten für die erlernte Technik und Kreativität darf dabei nicht verloren gehen und muss vom Trainer zugelassen werden.

Lesen Sie dazu auch DIE VIER GRÖßTEN IRRTÜMER ÜBER JUGENDFUßBALL…

Eine gute Fußballzeit!

www.muenchner-fussball-schule.de   www.mfsfussballtraining.tv

Gedanken zu “Mehmet Scholl kritisiert die Nachwuchsarbeit des DFB – zu Recht?

  1. Thomas Ackermann

    Hallo Faxe und Michi,

    ja auch ich gebe Scholli recht und versuche das von Euch angesprochene seit 2006 in den von mir trainierten Mannschaften umzusetzen. Von meinem 2001 Jahrgang darf ich Euch berichten dass diese vor 2 Jahren in der C-Jugend (Auflösung da aufgrund Schulwechsel man mehr mit den neuen Kumpels spielen wollte) zum Großteil in der Bezirksklasse gelandet sind. Die dortigen Trainer staunten ob der Technik nicht schlecht. Taktik ist ja nun auch deren Problem in der B-Jugend ;) Aktuell habe ich einen jungen E-Junioren Jahrgang am Start mit einigen Jungs die schon jetzt Finten drauf haben, dass ich gespannt bin wo wir mit denen in 2 Jahren technisch landen. Unsere Spiele haben wir zum Großteil eben gegen solche “wir stellen vorne einen Rein und ihr spielt nur lange Bälle” Mannschaften verloren. Ebenso habe ich einen recht guten Draht zu unserem DFB Stützpunkt. Die klagen unter der Hand dasselbe Leid vom schnellen Wandel. Die großen Geldbeutel in England und unser Abschneiden in der aktuellen Euro-Runde sollten mal die Augen öffnen. Dass junge Spieler wenig Zeit haben erlebe ich jedes 2. Wochenende beim VfB Stuttgart. Mit Özcan und Baumgartl stehen hinten zwei U23er von denen erwartet wird die Erfahrung von Holger Badstuber zu haben.

    Ihr seid auf dem Richtigen Weg. Lasst Euch nicht abhalten.

    Gruss Thomas

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  2. Gerd Segbert

    Hallo, ich denke auch das ihr im Prinzip Recht habt. Man erlebt es an der Basis leider viel zu oft das die athletischen Spieler zu 99.9% den Vorzug vor den technisch versierten Spielern bekommen. Leider sehr häufig auch an den Stützpunkten des DFB. Dort wird auch zu sehr auf den persönlichen Erfolg des Stützpunkttrainers hin gescoutet und nicht der langfristigen Entwicklung des Spielers Rechnung getragen. Es bleiben leider zu viele kreative Talente unentdeckt….

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  3. Paul

    Das Scholl so vehement und von allen Seiten kritisiert wird, liegt nicht an der inhaltlichen Aussage, sondern an der Vereinfachung und Generalisierung des Problems. Das wir International, was das individuelle Niveau der Spieler angeht, weit zurück hinken, ist für jeden klar ersichtlich.
    Aber sinngemäß zu sagen, dass ein Tedesco oder Nagelsmann “nicht an den Spielern interessiert” seien, zeigt mir, dass Scholl sich entweder noch nie mit ihrer Art und Weise des Trainings auseinandergesetzt , oder es nicht verstanden hat. Dazu kommt, dass man junge Trainer unmöglich für die jetzigen Probleme verantwortlichen man kann – da sie eben jung sind. Für die heutige Generation Spieler ist eine andere Generation Trainer verantwortlich. Eine sachgemäße und tiefgehende Kritik an den heutigen Verhältnissen halte ich für absolut gerechtfertigt, nicht aber diese plumpe und völlig vereinfachte Generalisierung der Probleme, mit der er nebenbei eine Vielzahl an Leuten beleidigt. Es gibt gute Gründe, warum ein Nagelsmann in Hoffenheim Trainer ist und nicht eben ein Effenberg oder ein Scholl.

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  4. Stuba Jürgen

    Ihre Stellungnahme zu Mehmets Aussagen kann ich nur unterstützen. Wie heißt es : Getroffene Hunde bellen

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  5. Olaf Hoffmann

    Hallo Faxe, hallo Michi,

    Obwohl ich mittlerweile aus meinem kurzen Trainerleben ausgeschieden bin, habe ich den Weg zu euch, durch dieses Thema, wiedergefunden.
    Zum Fussball bin ich als Vatertrainer gekommen, so wie es in den meisten Vereinen üblich ist. Auf meinen Einwand, mich mit Fussballtraining und speziell mit einem Training der kleinen, es war die F-Jugend, erstes Jahr, nicht auszukennen, bekam ich die Antwort:
    Bei den Kleinen kannst du nichts verkehrt machen!

    Das fand ich völlig falsch, so wie ich die ewige Rennerei der Kinder um den Platz zum Warmmachen für sinnlose Zeitverschwendung hielt, hatte ich meinen Sohn doch zum Fussball geschickt und nicht zur Leichtathletik.
    Ich wälzte Bücher, suchte im Internet, schaute YouTube. Ich las Horst Wein, war in Foren unterwegs, inhalierte eure Philosophie und hielt ein Jahr später meinen Trainerschein in der Hand. Als einziger Jugendtrainer mit DFB-Lizenz in unserem Dorfverein.
    Trainerkollegen schauten und ließen sich von mir erklären, was ich dort trieb. Unterschied sich mein Training zu 80% von dem, der meisten anderen. Selten wurde allerdings etwas von dem Gesehenen übernommen oder eigene kreative Ideen umgesetzt. Die meisten trainierten so, wie sie selber vor 20-30 Jahren trainiert wurden.
    Obwohl wir in der Trainerausbildung, wie ich fand, gute Werkzeuge an die Hand bekamen, damit sich Kinder zu kreativen und spielintelligen Fussballern entwickeln können, ging es vielen anscheinend nur um den Schein in der Hand. Das wurde auch offen gesagt. Es war höchstens ein Drittel der Teilnehmer daran interessiert, selbst denkende Spieler zu bekommen, was man an den immer noch zahlreichen, über den Platz schreienden Trainern sieht.
    Die erste Eskalation gab es dann bei uns, als ich mich erdreistete, im zweiten Jahr der E-Jugend, das bei euch gefundene Rotationsprinzip beim Auswechseln zu nutzen. Die Jungs verloren zwar die beiden Spiele, wie die meisten anderen auch, der Unterschied war aber der, das es völlig neue Spielzüge gab, viele neue Ideen und mehr eigene Tore. Anstatt 8:0 gab es ein 13:5. Die Kinder freuten sich mehr über das eigene Spiel und die Tore, als das sie über die Niederlage traurig waren.
    Mütter kamen zu mir und waren begeistert über den Spaß, den die Kinder beim Spielen hatten.
    Bei meinen Co-Trainern und einigen anderen Eltern wiegte die Niederlage schwerer und ab diesem Zeitpunkt hörte leider auch langsam mein Spaß auf.
    Auch im nächsten Jahr, im neuen Verein, der Alte hatte die Jugendabteilung, ab der E, mittlerweile aufgeben, musste ich miterleben, wie verkrustet die Strukturen doch sind und nur ein paar wenige motivierte Menschen es einfach kaum schaffen, diese zu durchbrechen.

    Wahrscheinlich ist der DFB genauso verkrustet, wie die meisten Vereine und so kann natürlich auch auf keiner Ebene aus dem großen Potential, welches unser Land hergibt, geschöpft werden.
    Wenn schon in der G-Jugend feststeht, wer, welcher Spielertyp ist und wo spielen darf, dann braucht man sich nicht sich zu wundern, wenn sich keine echten Talente zeigen.
    Wenn der dicke Tim mit sechs Jahren in der Abwehr steht und mit 12 dann als schnellster in seinem Jahrgang bei der Leichtathlethik landet und der quirlige Jan der die Tore macht und der nie die Abwehr kennenlernen durfte mit 14 Jahren nicht mehr weiterkommt, dann braucht man sich über nichts zu wundern.

    Macht ihr euer Ding, das fühlt sich gut an.

    Liebe Grüße,

    Olaf

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  6. Torsten

    Ich kann die Aussage von Mehmet Scholl voll und ganz nachvollziehen. Wie sieht es denn meistens auf den Sportplätzen aus, wenn Jugendmannschaften trainieren? Wenn ein Junge im Trainings- oder Punktspiel an 1-2 Gegenspielern vorbei ist, “Spiel doch endlich ab”. Anstatt den Spieler zu unterstützen, seine Stärke weiter zu stärken, wird er seiner Stärke und seiner Lust beraubt und in ein Korsett gezwängt.
    Hätte man vor 20 Jahren zu Messi gesagt, hör auf zu dribbeln und spiel lieber ab, dann wäre er heute nur ein durchschnittlicher Kicker.
    Ich bin selbst seit knapp 8 Jahren Ausbilder für Kinder- und Jugendtrainer im Landesverband. Dabei sag ich meinen Trainern immer, entwickelt die Stärken weiter und findet mit dem Spieler zusammen die Lösungen bei den Schwächen. Wenn einer immer nach dem zweiten Gegenspieler hängen bleibt, unterbrecht die Situation und fragt den Spieler, was er jetzt besser machen könnte. Dann kommt er meistens selbst drauf, das er vielleicht einen Pass spielt. Aber er wird nicht bevormundet. Genauso mache ich es doch auch bei Spielformen zum Passen und Freilaufen. Dort müssen doch auch die Spieler ihre Fehler erkennen, wenn sie zB den Pass zu spät spielen, weil sie den Deckungsschatten nicht kennen und der Gegenspieler zu nah steht.
    Andererseits gehen wir doch ins Stadion um die Messis, Rib und Rob oder Sanes oder früher Maradona zu sehen. Darüber redet man doch, über das Solo über 30-40 Meter. Keiner schwärmt auf dem nach Hauseweg, wie toll einer ständig den Ball 5 m quer passt. Warum war Maradonas Solo bei der WM 86 das Tor des Jahrhunderts?
    Ein Messi hat gelernt, wie man mit einem Pass das Spiel öffnet oder seine Mitspieler einsetzt. Aber ein Toni Kroos als Beispiel, wird nicht mehr lernen, 5 Gegenspieler im Tempodribbling auszutanzen.

    Reply
  7. Memo

    ich finde die Ausbildung und Organisationen in Deutschland TOP. Die Sportplätze sind 1A ausgestattet.
    Mann kann heutzutage zig Hallenturniere kicken und recht schnell Testspiele organisieren. Was will man mehr als Trainer?
    Der DFB gibt doch durch seine Leitlinien den Trainer schon vor, daß die Kids kein Tika Taka Fussball kicken sollen, sondern sich im Kinderfussball im 1:1 durchsetzen zu lernen.

    ich befürchte es hapert eher an den Vereinen. Dort herrscht of kein Jugendkonzept gar Spielphilosphie und als Trainer bekommt man keine Unterstützung oder jeder Trainer kocht sein eigenes Süppchen.
    Es gibt Fussballcamps mit Ex-Profis, damit die Kasse klingelt. Kann das den Strassenfussball oder Schulhofkick ersetzen? Nein und niemals.

    Der DFB bietet Lehrgänge und die sollte man Trainer auch nutzen, wenn man sich weiter entwickeln will. Ich versuche teile der MFS Philosophie umzusetzen in meinem Training und nutze die Trainingskonzepte vom DFB. Für mich persönlich steht die Technik vor Taktik erstmals. Spieler sollen/müssen in jungen jahren verschiedene Positionen austesten. Das Selbstbewußtsein der Kinder stärken und sich im Team einordnen. Als Trainer hat man viele Aufgaben und das macht für mich den Trainerjob so aufregend.

    Was Scholli fordert ist nicht neues, aber die Medien haben ihn jetzt zum fressen freigegeben.
    Als Spieler fand ich ihn genial aber als Trainer fehlt ihm doch das Händchen.

    Reply
  8. Manu

    Hallo,

    ich stimme Euch und Scholl zu, wobei Scholl noch seiner Wortwahl arbeiten muss.

    Einige unserer Gegner trainieren seit U7! so. Motto: Ein Verein, alle Teams ein System. Das betrifft speziell die leistungsorientierten Vereine.

    Wir versuchen genau das nicht zu tun und unsere Kids, mittlerweile U9, sind im Schnitt tatsächlich technisch und im Zweikampf vorraus.

    Wenn wir auf diese Teams treffen, war es jetzt aber so, dass wir defensiv gar nicht in die Zweikämpfe gekommen sind und entschieden haben, die Jungs bei eigenem Ballbesitz zwar weiter keine Vorgaben zu geben, aber bei gegnerischen Ballbesitz ein hohes Pressing zu spielen, um eine Chance gegen diese Systemteams zu haben.

    Das ist sehr erfolgreich, ich frage mich aber was Ihr empfehlen würdet?

    Danke und VG

    Manu

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Manu,

      ich werde bald dazu eine Antwort verfassen. Bin nur grad unterwegs und kümmer mich aber danach darum.

      Viele Grüße

      Michi

      Reply
    2. Michi Schuppke Autor

      Hallo Manu,

      hier nun wie versprochen unsere Antwort dazu.

      Ich denke das Mehmet Scholl das so „ hart“ formuliert um Aufmerksamkeit zu bekommen, sonst berichtet ja keiner darüber. Nur so bekommt das Thema auch Präsenz. dafür muss er aber seinen Kopf hinhalten.
      er bleibt somit aber auch im Gespräch:-)

      Was die Philosophie angeht, weiß ich, wie schwer es ist gegen solche “Systemteams”. ich sehe dies als eine Chance um die eigenen Jungs noch weiter nach vorne zu bringen. das überspielen des gegnerischen Systempressings ist enorm schwer und damit eine tolle technische und taktische Herausforderung. ich kann dazu den Tipp geben: „ Spieler die in hohem Tempo angreifen, sind durch Finten sehr schnell ausgespielt“, dann entstehen in Überzahl tolle Räume. lass Deine Jungs im Training sehr häufig gegen Pressing flach rausspielen und ermuntere Sie mutig und frech zu sein. Irgendwann sind Sie technisch so stark, dass das gegnerische Pressing zu deren Nachteil wird weil du es ständig überspielst und große Räume vorzufinden sind.
      Dies braucht viel Geduld und positive Energie, weil die Spiele am Anfang genau deswegen verloren gehen. Hier ist aber der wichtigste Leitsatz: „ Ausbildung vor Spielerfolg“ enorm wichtig. diesen weg trauen sich leider die wenigsten, weil es ein schwerer Weg mit viel Gegenwind ist.
      Wenn der Gegner den Ball hat ist es absolut sinnvoll den Ball durch ein gezieltes Pressing zu erobern. je länger ihr in Ballbesitz seid desto besser! Und deine Jungs müssen auch lernen zu Verteidigen, zu Pressen und zu Kontern.

      Wir müssen eben ganzheitlich ausbilden!
      Ich werde dazu bald ein Video machen

      Viel Erfolg und Spaß weiterhin

      Reply

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