Jeder Cent in die erste Mannschaft?

Das Aushängeschild eines jeden Vereins ist in den meisten Fällen die erste Mannschaft. Daher fließen auch die meisten Gelder aus Beitrags- und Sponsoreneinnahmen in den Etat der ersten Mannschaft. Dies hat zur Folge, dass für den Jugendbereich eher wenig Geld zur Verfügung steht. Da ein Trainer für eine Herrenmannschaft selbst in der Kreisliga um ein vielfaches mehr verdient als ein Jugendtrainer, haben ausgebildete und gute Trainer einen Anreiz, Herrenmannschaften zu trainieren.  Aus diesem Grund befinden sich in den Jugendmannschaften meist sehr junge und ehrenamtliche Trainer, ja meist Väter und Mütter, die selbst nie mit Fußball in Verbindung standen und nur Trainer machen, da der eigene Sohn in diesem Team spielt und sonst gar kein Trainer zur Verfügung stehen würde. Um diese Trainer zur Verfügung zu haben, muss man auch sehr dankbar sein. Es ist aber in den meisten Fällen natürlich nicht die optimale Lösung für unsere Kinder.

Selbst bei großen Lizenzvereinen wird für die jüngeren Teams meist nur ein relativ geringe Aufwandsentschädigung  bezahlt. Damit bewerben sich für diese Nebenjob oft sehr junge, unerfahrene Trainer, die erst Ihr Trainerpotential entwickeln müssen. Dies lässt nur einen Schluss zu: Die Ausbildung in Deutschland ist auf keinen Fall optimal. Gerade im Alter von 7-12 Jahren wird die Basis in Technik und Koordination gelegt und genau hier bräuchte es die besten Trainer. Alles was in diesem Alter falsch oder gar nicht vermittelt wurde, kann später kaum oder nur sehr mühselig aufgeholt werden. In diesem Alter brauchen die Kinder einen Trainer, der technisch gut ist. Einen, der somit Ballannahmen, Pass- und Schusstechniken, Tricks und Finten, Dribbeltechniken vormachen kann. Das Gleiche gilt für die koordinativen Übungen. Die Kinder lernen am Besten, in dem Sie die Bewegungen des Trainers abschauen und selber ausprobieren. Darüber hinaus ist die Erfahrung in Sachen Pädagogik hier besonders wichtig.

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Vor allem das Wissen über Wachstumsveränderungen und deren Auswirkungen auf die koordinativen Fähigkeiten und das  psychische Befinden der Kinder ist hier von großer Wichtigkeit. Häufig treten in den unterschiedlichen Wachstumsphasen bei höherer Belastung Wachstumsschmerzen auf. Beispiele hierfür sind Kniebeschwerden wie das Patellaspitzensyndrom. In diesen Fällen muss die Intensität des Trainings für das jeweilige Kind in den schmerzfreien Bereich heruntergefahren werden. Zusätzlich sollte ein Sportarzt hinzugezogen werden, um das Vorgehen medizinisch absichern zu können.  Das Training einfach einzustellen, ist hier nicht der richtige Weg, da die Kinder im Wachstum an Koordination einbüßen und wir durch das Training diesem Effekt entgegenwirken. Noch wichtiger ist es mit dem betroffenen Kind zu sprechen, diese Wachstumsphasen und die damit einhergehende Minderung der Leistungsfähigkeit zu erklären und eine positive Aussicht auf Stabilisierung zu geben.

Also einfaches Fazit: Wir brauchen die besten Trainer in den Bereichen Technik, Koordination und Pädagogik in diesen  Altersklassen, um noch mehr und bessere Spieler nach oben weiterleiten zu können. Um sie nicht an die Herren-Kreisklasse zu verlieren, müssen die Geldströme nur umgelenkt werden. Dann werden langfristig in ausreichender Anzahl gute Spieler nach oben gebracht, mit denen man auch locker Kreisklasse oder wahrscheinlich sogar höher spielen kann. Und es werden mehr Talente für später höhere Aufgaben besser gefördert.

Auch Großvereine müssen umdenken und mehr finanzielle Mittel in die Ausbildung der Kinder, und damit in besser ausgebildete Trainer investieren und darüber hinaus lokale Vereine in Ihrer Arbeit unterstützen. Ein Vorschlag in dieser Richtung könnte sein, die Bundesligavereine über die Verbände zu zwingen, ein bestimmtes Budget hierfür verwenden zu müssen. Solche Ansätze gibt es bereits in kleiner Form. Bundesligavereine müssen in ihren noch relativ jungen Leistungszentrum über eine bestimmte Anzahl von ausgebildeten Fußballlehrern verfügen. Diese werden jedoch meist in den höheren Altersklassen eingesetzt und nicht dort wo es am wichtigsten wäre – im goldenen Lernalter zwischen 9 und 12 Jahren.

Bessere Infrastrukturen schaffen, um mehr Talente zu finden und diese optimal ausbilden – so muss die Maxime lauten.  Und wie schon öfter an dieser Stelle geschrieben, hat die optimale Ausbildung eines Talents nichts mit dem Erfolg eines Spiels oder dem Erfolg einer ganzen Saison zu tun. Mannschaften, die ausbildungsorientiert trainieren und spielen sind kurzfristig immer schwächer in Ihrer Leistungsfähig als erfolgsorientierte Mannschaften. Aber der Weg lohnt sich…

Eine gute Fußballzeit!

Euer Faxe

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