Der Futsal – eigentlich eine gute Idee!

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Keine Frage: der Futsal hat sehr viele Vorteile und seine grundsätzliche Idee, dass Kinder dadurch mehr FußballSPIELEN lernen, ist natürlich begrüßenswert. Das Einspielen anstatt Einrollen ist einer davon. Der relativ schwere und weniger elastische Futsal-Ball erleichtert das flache Passspiel und verhindert „Gebolze“, weil nicht so hart geschossen werden kann. Das Seitenaus ist auch förderlich für ein kontrolliertes Spiel, denn hier kann der Ball nicht auf gut Glück über die Bande vor das gegnerische Tor geschlagen werden, was sonst viele Mannschaften gerne im Spiel mit durchgehender Bande machen. Doch der Futsal hat einen entscheidende Nachteile, welche trotz aller Pluspunkte die Nachwuchsausbildung sehr entscheidend negativ beeinträchtigen.

Der Torwart darf den Ball bei einem Rückpass in die Hand nehmen und der Torwart darf den Ball nur einmal während des Ballbesitzes der eigenen Mannschaft haben, und dies nur für 4 Sekunden. Ersteres trifft bereits ab der F-Jugend zu, die 4-Sekunden Regel wird in den meisten Fällen erst ab der D-Jugend eingefordert.

Um Kinder technisch ganzheitlich auszubilden, gehört ein Lernen eines technisch anspruchsvollen Spielaufbaus dazu. Beides – den Ball in die Hand nehmen und die 4-Sekunden Regel – zerstört die Idee des Spielaufbaus, da der Torwart den Ball, nachdem er ihn aufgenommen hat, einfach über die Mittellinie nach Vorne wirft. Oder aber die jungen Torhüter bekommen einen Rückpass und fühlen sich durch die 4-Skundenregel so unter Druck gesetzt und schlagen den Ball schnell nach Vorne. Hauptsache der Ball ist weit weg vom eigenen Tor und es werden in einem möglichen Spielaufbau keine Fehler gemacht, die den Erfolg des Spiels gefährden würden. Hier ist wieder mal der reine Erfolgsgedanke das Problem.

Die Tatsache, dass ein Rückpass zum Torwart nur einmal im eigenen Ballbesitz erlaubt ist, ist ebenso wenig für die technische Entwicklung von Vorteil und ist außerdem komplett konträr zu dem Fußball, den die Spieler später ab der C-Jugend und älter beherrschen sollen. Hier sollen sie ja dann möglichst viele Varianten im Spielbau kennen und können. Dies geht aber doch nur, wenn die Spieler dies bereits in jungen Jahren testen und spielen dürfen bzw. müssen.

So aber hat der Futsal durch diese Regelungen nicht viel mit Ausbildungsfußball zu tun. Es kann kein Spielaufbau betrieben werden, da der Torwart eben nach seinem Abwurf oder nach einem Rückpass nicht erneut angespielt werden darf und wie im klassischen Spielaufbau als Überzahlspieler eingebaut werden kann, um die gegnerischen Stürmer auszuspielen und einen kontrollierten Angriff einzuleiten.

Eine weitere nachteilige Regel: sobald der Ball im Aus ist, zählt der Schiedsrichter von vier runter. Wenn der Spieler bis dahin noch nicht ausgeführt hat, bekommt die gegnerische Mannschaft den Ball. Der Vorteil davon ist es, dass kein Zeitspiel möglich ist. Für ältere, technisch gut ausgebildete Spieler ist dies in Ordnung. Für die jüngeren und noch nicht „fertigen“ Spieler überwiegen die Nachteile, da die Kinder unter Zeitdruck handeln müssen, sich somit nicht organisieren können und den Ball dann meist unsauber nach Vorne in den Gegnerdruck spielen.

Durch die „Fliegende Torwart“-Regel ist es theoretisch möglich, Spielaufbau zu betreiben. Die Regel besagt, dass der Torwart in der gegnerischen Hälfte wie ein normaler Feldspieler agieren darf, das heißt der Torwart muss zu diesem Zweck nach dem Abwurf oder nach einem Zuspiel die Position mit einem Offensivspieler tauschen. So kann ein Überzahlspiel aufgezogen werden. Dies ist allerdings vielen zu riskant und der Spieler als Torwart auf Zeit darf bei einem Ballverlust den Ball nicht mit der Hand halten.

Es mag sein, dass Futsal im Herrenbereich oder von der C- bis hin zur A-Jugend gut funktioniert. Vorausgesetzt immer, dass die Spieler technische gute Fußballer sind. Doch hier wird erneut der fatale Fehler gemacht, dass von Erwachsenen auf Ausbildungsfußball geschlossen wird.

Vieles von der eigentlich guten Idee für die Ausbildung von guten Kickern wird aber durch kontraproduktive Regeln kaputt gemacht. Zudem ist wieder mal wie erwähnt der Erfolgsgedanke der Trainer bereits bei den F-Jugendlichen ein Problem. Würden die Trainer nämlich ihren Spielern sagen, dass sie die Manndeckung des Gegners durch eine 1 gegen 1 mit Hilfe von Tricks lösen sollen, dann würde der Futsal Sinn ergeben und seine ursprüngliche Bestimmung erfüllen. Doch besonders bei jungen Jahrgängen und bei niederklassigen Mannschaften ist dies nicht möglich und enden auch aufgrund der nachteiligen Futsalregeln mit einem Hin und Her-Gebolze. So hat ein Junioren Futsal Turnier meist wenig mit Fußball zu tun und die Spieler nehmen von einem solchen Turnier nicht viel mit.

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Eine gute Fußballzeit!

Euer Michi

Gedanken zu “Der Futsal – eigentlich eine gute Idee!

  1. Lars Lenser

    Hallo Michi,

    ich bin seit Beginn der Einführung von Futsal kein Fan davon. Futsal ist eine eigene Sportart, die jeder, wenn er denn möchte betreiben kann. Fußball ist auch eine selbstständige Sportart, die auch jeder betreiben kann, wenn er will. Warum vermischen wir diese Sportarten für die Wintermonate? Wir führen ja auch nicht urplötzlich den Torraum vom Handball ein und geben diesen nur für den Torwart frei. Den Nutzen den einige beim Futsal sehen, kann ich leider nicht erkennen. Ist es nicht so, das die Mannschaften, die bei “normalen Hallenregeln” bolzen würden, das doch eh das ganze Jahr über tun? Mannschaften die wert auf technische Elemente setzen, werden diese nicht für die Hallenmonate über den Haufen werfen. Es ist also eine reine Philosophie-Frage, wie ich den Hallenfußball spielen lasse. Dazu bedarf ich keinen Fair-Play Anstoß – der ja immer mehr zum Vorteil der nicht anstoßenden Mannschaft wird, oder einen Futsal-Ball. Klar bin ich ein Freund von technisch sauberem Fußball, aber mit so einem Ball nehme ich einigen Kids ihre Stärke im Abschluss. Der Gegner steht tief und mit allen Spielern um den eigenen Torraum herum. In dem Moment ist es doch klar, das ich meine stärksten Schützen in Position bringen will. Durch schnelles Passspiel bringe ich im Rückraum meinen Spieler in Schussposition und raus kommt meistens nur ein laues Lüftchen. Ob das so förderlich für die Entwicklung der Kinder ist bezweifle ich.
    Dazu kommt meiner Meinung nach, das wir uns ein einfaches Spiel mit wenigen Regeln kaputt machen, weil aktuell auf jedem Turnier die Schiedsrichter diese anders auslegen. Vorher war klar, das der Ball vom Torwart nicht über die Mitte gespielt werden durfte, der Ball eingerollt wird und ansonsten die Regeln von draußen übernommen wurden. Das war einfach für ALLE Beteiligten.
    Mittlerweile beobachte ich immer mehr, das auf einzelnen Turnieren mehr über die Regelauslegung diskutiert wird, als über den eigentlich Sport. Das finde ich einfach nur traurig.

    Wie weiter oben schon geschrieben ist es für mich eine Philosophie Frage. Wer bolzen will, bolzt! Ob mit oder ohne Futsal-Regeln! Technisch starke spieler forme ich das komplette Jahr über und nicht in den wenigen Monaten im Winter.

    Wäre super, wenn auch mal andere Ihre Meinung dazu geben könnten.
    Ich lasse mich gerne eines besseren belehren!

    Sportliche Grüße
    Lars

    Reply
  2. Markus Stordel

    Hallo Michi,
    ich verfolge das Thema Futsal schon lange. Anfang 2016 hast hast du hier schon die Vorteile von Futsal klar beschrieben und auch das Thema Regeln angesprochen.

    Bei uns im Württembergischen wir die Hallenrunde bis zu den E- Junioren ohne 4-sec Regel gespielt und der TW darf den Ball auch wieder aufnehmen. Es wird auch mit einem leichteren Futsal Ball gespielt.

    Ab den D- Junioren wird dann mit den verschärften Regeln gespielt. Schon allein durch die Regel der kumulierten Fouls, ab dem 4ten Foul gibt es einen Freistoß an der 10 m Linie, kommt das unfaire Spiel schon fast nicht mehr vor.

    Futsal hat viel mehr mit dem richtigen Fußballspiel zu tun, wie der herkömmliche “Hallenfußball”. Durch Futsal bekommen wir technisch bessere Spieler die auf engem Raum und unter Zeitdruck immer neue Lösungen suchen und finden müssen.

    Auch der TW muss den Ball technisch sauber ins Spiel bringen um seine Mitspieler nicht schon unter Druck zu bringen. Die Mutigen spielen in der gegnerischen Hälfte mit und tragen sich in die Torschützenliste ein und lernen so auch noch das Fußball spielen.

    Wir alle sollten die Chance nutzen und gegenüber dem FUTSAL viel aufgeschlossener sein, damit wir viele Spieler und Spielerinnen mit einem LÄCHELN, SPASS und FREUDE beim Fußballsport sehen.

    In diesem Sinne “macht weiter so” und mit vielen Grüßen
    Zico

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Markus,

      ich bin dem Futsal natürlich aufgeschlossen. Denn wie gesagt, die Grundidee ist super. Nur wenn ich wie vor zwei Wochen geschehen, ein Futsal Turnier bei E-Jugendlichen anschaue, dann sehe ich halt auch das sehr unbefriedigende Ergebnis. Die Torhüter nehmen die Rückpässe immer auf und werfen dann den Ball immer über die MIttellinie. Ohne Ausnahme! Der Gegner – es wird ja 5 gegen 5 plus Torwart gespielt – steht bei diesen Abwürfen mit einem 3-1-1, also einer Art Dreierkette, parat und köpft diese Bälle einfach zurück und dann wird mit vollem Tempo und Speed auf diesen Ball gelaufen und Druck erzeugt. Ergebnis: Die anderen spüren so einen Druck, so dass sie diesen Ball einfach auch wieder wegschießen. Fürchterlich zum Anschauen und keine 3 Pässe am Stück, geschweige denn ein Dribbling oder viele 1 gegen 1 Situationen werden ausprobiert.

      Also: Ja in der Theorie sollten sie Lösungen suchen. In der Praxis aber werden die Bälle abgeworfen und weg geschossen. Das Problem sind dabei natürlich die Jugendtrainer, die nur auf Erfolg gehen und die Chancen des Futsal ausnutzen. Hier müsste mehr Aufklärungsarbeit her. Oder man zwingt sie einfach. Heißt, Torhüter dürfen den Ball nicht aufnehmen und wenn doch, dann nicht über die Mittellinie werfen.

      Also wie gesagt: Ich finde die Idee super, sie wird nur leider nicht so in der Breite umgesetzt.

      Wenn es wie bei euch offensichtlich so passiert, dann ist das natürlich für die Entwicklung der Kinder super.
      Vielen Dank und viele Grüße

      Michi

      Reply

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