Werden unsere Talente fair beurteilt?

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Biologisches vs. kalendarisches Alter

Zu erkennen, ob ein Junge oder Mädchen technisch gut ist, sich flink bewegen kann und über eine gute Spielintelligenz verfügt, dazu muss man nicht unbedingt ein Experte sein.

Jedoch vorherzusagen, ob es für den jungen Spieler reicht, später in einen Profikader vorstoßen zu können, ist nahezu unmöglich. Dies liegt vor allem daran, dass wir das tatsächliche biologische Alter durch alleiniges Hinsehen nicht einschätzen können.

Wenn wir auf ein Spiel schauen, vergleichen wir Kinder miteinander, die alle in einem Jahrgang geboren sind. In diesem Zeitraum unterscheiden sich die Kinder kalendarisch bereits bis zu einem Jahr. Betrachten wir dann noch den biologischen Unterschied, besser gesagt den biologischen Entwicklungsstand des Kindes, so liegen die Kinder innerhalb eines Geburtsjahres oft bis zu 3 Jahre auseinander. Ein sehr talentiertes „biologisch“ junges Kind wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in seinem Jahrgang als nicht so talentiert auffallen, wie ein „biologisch“ älteres Kind.

„Relativ-Age Effekt“ bei Nachwuchsleistungszentren

In den Nachwuchsleistungszentren spielt der „Relativ-Age Effekt“ eine große Rolle. Dort spielen auffällig viele Kinder, die im ersten und zweiten Quartal geboren sind. Und sie sind meist zusätzlich „biologisch“ ein bis zwei Jahre älter als in durchschnittlichen Teams.

Wann gleicht sich dieser biologische Nachteil aus?

Manchmal holen Kinder während der Pubertät den biologischen Nachteil auf. Ganz häufig jedoch wird der biologische Unterschied in der Pubertät noch größer. Dies hängt von der jeweiligen Wachstumskurve des Kindes ab. Da kann dann der biologische Altersunterschied schon mal bis zu sieben Jahre differieren: Die einen sind mit 16 Jahren bereits ausgewachsen und werden in den NLZ als große Talente gepriesen – eine weitere körperliche Entwicklung bleibt jedoch aus.

Und die anderen wachsen bis zum 21. Lebensjahr und werden erst sehr spät als Talent erkannt  – leider werden diejenigen oft nicht in jungen Jahren dementsprechend gefördert. Dieses Schicksal ereilte auch einst gestandene Nationalspieler: Marco Reus und Kevin Großkreuz wurden beim BVB in der B-Jugend auf Grund von körperlicher Schwäche aussortiert und heute gehören Sie zu unseren besten deutschen Spielern. Glücklicherweise glaubte Ahlen an die beiden Jugendlichen und förderte trotz körperlicher Unterlegenheit ihr fußballerisches Talent.

Wir verlieren so in etwa die Hälfte unserer Talente, da wir die „biologisch“ jungen Spieler nicht ausreichend fördern.

Was ist Deine Meinung dazu?

Eine gute Fußballzeit!

Dein Faxe

Gedanken zu “Werden unsere Talente fair beurteilt?

  1. Trainero

    Nach irgendeinem Kriterium müssen die Kinder ja für den Spielbetrieb eingeteilt werden und auch die Leistungszentren und Stützpunkte können nicht alle Kinder fördern.
    Einzig eine Qualitätssteigerung aller Trainer im Breitensport kann da helfen.
    Die Verbannung vom 6+1 bei Bambini und F-Jugend hin zu Wettspielformen mit kleinen Spielfeldern und kleinen Teams würde da schon viel bewirken. Aber halt nicht als Empfehlung an die Kreise, sondern als Verpflichtung

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    1. David Niedermeier Autor

      Hallo Isabella
      Vielen dank für Deine Anmerkungen. Da hast du vollkommen Recht. Allerdings sollten wir uns der Tatsache bewusst sein und vielleicht das ein oder andere Talent trotzdem mit aufnehmen und spielen lassen. Man müsste somit auf kurzfristigen Erfolg verzichten, langfristig aber die vielversprechenden Talente fördern. Oft nehmen großgewachsene Spieler mit weit weniger Potential hochtalentierten biologisch jungen Spielern die Plätze weg nur um kurzfristig Spiele zu gewinnen. Um noch mehr junge Talente zu fördern könnten Lizenzvereine pro Jahrgang zwei Mannschaften fördern um so auch die jungen Talente zu fördern. Im Moment gehen uns ca 50 % aller Talente verloren. Wenn wir dann noch die Trainingsqualität in den Streuvereinen verbessern könnten hätten wir eine optimale Talententwicklung in Deutschland. Warum verpflichtet die DFL die Bundesligisten nicht dazu eine feste Anzahl an Trainerausbilder in die Streuvereine zu schicken? Vielleicht habt Ihr dazu noch weitere Ideen?

      Reply

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