Warum bringt der FC Bayern in den letzten Jahren so wenig Talente hervor? – Teil 2

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In unserem ersten Teil haben wir schon ein paar Gründe genannt, warum der FC Bayern in den letzten Jahren so wenig Talente hervorgebracht hat. Wie angekündigt wollen wir jetzt noch die vielleicht größte Problematik näher betrachten.Denn diese sehen wir hauptsächlich darin, dass sich der FC Bayern schon in der U 9 auferlegt, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Wenn sich die Jungs und vor allem die Trainer nur am Erfolg bei Wettbewerben messen lassen müssen und nicht am Ausbildungserfolg gibt es auch nur eine Spielweise, nämlich eine gewinnorientierte. Und die ist für eine gute spielerische Entwicklung der jungen Talente eher kontraproduktiv: Um zu gewinnen, darf hinten kein aktiver Spielaufbau betrieben werden. Finten, quer spielen, zurückspielen – Fehlanzeige.

Das Motto lautet eher: „Hoch und weit bringt Sicherheit.“ Da werden lange Bälle in die Spitzen gespielt und die Räume dahinter verengt – damit minimiert man das Risiko, Tore zu kassieren.

So lernt niemand Fußball spielen!

Das Gewinnen Müssen hat noch einen weiteren negativen Effekt auf die Förderung der tatsächlichen Talente. Um gewinnen zu können bedarf es nicht nur der „richtigen“ Spielweise, sondern auch dem „passenden“ Spielertypen dazu. In einer rein zielorientierten Spielweise sind überwiegend körperlich robuste und schnelle Spieler gefordert. Technisch starke, biologisch junge Talente sind hier eher hinderlich und nehmen meist auf der Bank Platz oder müssen den Verein sogar frühzeitig verlassen. Demnach ist auch das Scouting auf diese Merkmale ausgerichtet. Das Ergebnis ist, dass in den Teams von der U9 bis hin zur U19 der deutschen Nachwuchsleistungszentren (NLZ) ca. 80 Prozent der Spieler im ersten Quartal geboren sind und nur wenige Spieler aus dem letzten Quartal. Dies hat große Aussagekraft auf die Anzahl der Talente die später den Sprung schaffen können. Diese Ausrichtung der Bundesligavereine führt dazu, dass wir etwa 30 Prozent der tatsächlich vorhandenen Talente nicht optimal fördern.

Für biologisch junge Kinder gibt es seit ein paar Jahren eine weitere Hürde, die ein Vordringen in den Profibereich erheblich erschwert: Die Abschaffung der U 18.

U 17 Spieler wechseln also gleich in die U 19. Für spätgeborene 17-Jährige wächst also die Kluft zu den Teamkollegen sowohl beim Alter als auch körperlich. Sich dann durchzusetzen und sich in der U 19 zu halten ist schier unmöglich.

Das höchste Ziel muss eigentlich sein, die talentiertesten Kinder aus Deutschland in der optimalen Trainings- und Spielstruktur zu fördern. Das Hauptproblem für Nachwuchsleistungszentren liegt dabei darin, dass Vereine, deren Mannschaften nicht ganz so erfolgreich sind, Probleme haben die besten Talente überhaupt zu bekommen. Nicht immer geht eine erfolgreiche 1. Mannschaft einher mit einer hochwertigen Jugendausbildung. Warum kann man Talente und deren Eltern nicht mit der besten Ausbildung überzeugen? Was meint ihr?

Wir glauben, eine komplette Reformation der Jugendausbildung muss her, nicht nur beim FC Bayern, sondern deutschlandweit.

Wie das unserer Meinung nach aussehen könnte, erfahrt ihr beim nächsten Mal.

Gemeinsam machen wir das Spiel besser!

Euer Faxe

Gedanken zu “Warum bringt der FC Bayern in den letzten Jahren so wenig Talente hervor? – Teil 2

  1. Ingo Radzey

    Hallo Faxe,

    zwei sehr gute Artikel – ich denke auch, dass in einigen dieser Punkte “der Hund begraben” liegt. Ein weiterer Punkt ist meines Erachtens, dass durch das unbedingte “Gewinnen-Wollen” schon frühzeitig Spieler auf bestimmte Positionen festgelegt werden, da sie dort am besten spielen. Dies führt meines Erachtens zu einer sehr einseitigen Ausbildung! Und kommt es nicht selbst im Herrenbereich manchmal noch vor, dass ein Spieler umfunktioniert wird und plötzlich auf einer anderen Position spielt als auf der, die er jahrelang gespielt hat (siehe Lahm)? Und wäre es nicht auch grundsätzlich von Vorteil, wenn ein Spieler sich auf der Position seines Gegners “auskennt” und somit eher weiß, wie der Gegner sich verhalten wird? Diese Punkte werden bei einer einseitigen Ausbildung vernachlässigt, was sich dann auf internationalem Top-Niveau bemerkbar macht. Dir weiterhin alles Gute!

    Viele Grüße,
    Ingo

    Reply
    1. David Niedermeier Autor

      Hallo Ingo,

      Du sprichst mir aus der Seele. Es wird nun mal alles dem Erfolg untergeordnet. Eben auch die Ausbildung und Entwicklung der Talente.

      Viele Grüße
      Faxe

      Reply
  2. Bernd Fischer

    Hallo Faxe,

    endlich mal jemand, der am System der Jugendausbildung zweifelt und auch den Mumm hat es öffentlich anzusprechen. Gratulation, ich kann dir da nur beipflichten!!!
    Um eine Reformation der Jugendausbildung durchzusetzen müsste zuerst darüber nachgedacht werden, ob es wirklich sinnvoll und fair ist, wenn Jugendspieler ausschließlich in Bezug auf den Tag ihrer Geburt in Altersklassen eingeteilt werden. Körpergröße und physischer Entwicklungsstand aber keinerlei Rolle spielen. Solange das so bleibt, haben spätgeborene und kleinere Spieler immer einen Nachteil (und zwar oft über die Dauer ihrer kompletten Ausbildung!!!!!).

    Sportliche Grüße
    Bernd

    Reply
    1. David Niedermeier Autor

      Hallo Bernd,

      vielen Dank für Deine Unterstützung! So eine Aufteilung wäre sicherlich super, allerdings in der Umsetzung extrem schwierig. Viele Eltern werden versuchen Ihre Kids so zu platzieren, damit die Jungs dort möglichst glänzen können. In den Ballungszentren wäre es sicherlich denkbar die Jahrgänge vielleicht nochmals aufzuteilen, um so der Sache etwas gerechter zu werden. Auf dem Land ist dies sicherlich nicht möglich, da es hier zu wenige Kinder gibt. Denkbar wäre auch eine biologische Einschätzung eines Arztes heranzuziehen, aber auch hier wäre der Aufwand und die Einflussnahme von ambitionierten Eltern zu groß.
      Ich denke, wir müssen versuchen die beteiligten Menschen für diese Sachen zu sensibilisieren und zu einem Umdenken zu bewegen. Nämlich mehr auf das Potential und nicht den Leistungs-Ist-Stand zu schauen.
      Die Entscheidungsträger des Fußballs sind in hohem Maße gefragt!! Aber auch wir. Nur wenn wir immer wieder darüber schreiben, sprechen und andere Menschen dafür gewinnen, finden wir vielleicht irgendwann Gehör. Wir bleiben sicher dran. Ganz nach unserem Motto: Gemeinsam verbessern wir das Spiel!

      Wir sind sehr froh, Unterstützer wie Dich an unserer Seite zu haben.

      Viele Grüße
      Faxe

      Reply
  3. Thomas

    Hallo Faxe,
    ich arbeite schon sehr lange mit der MFS zusammen und kenne die Philosophie und einige Trainer.
    Ich kann das alles nur unterstreichen und DANKE an das MFS Team sagen, das es verstanden hat, gegenüber Wettbewerber sich mit Qualität im Jugendbereich durchzusetzen. Es muss sich im Breitensport viel verändern, da sonst die Top Vereine noch weniger Talente bekommen zum ausbilden. Es gibt bereits viele gute Ansätze und tolle Trainer, aber du musst auch im Breitensport und Leistungssport von der Jugend bis zu den Erwachsenen ein Konzept haben, wie wird trainert und gespielt. Das funktioniert mit vielen Trainern, der gerne bereit sind sich neu auszubilden zu lassen. Ich habe vor 5 ahren mit Matthias Nowak Lifekinetik beim SCBV im Jugendbereich eingeführt und habe damit sehr große Erfoge erzielt , nicht nur im Fußball auch für die Schule. Das Ziel sollte sein, das der MFS, BFV und die Vereine an einen Tisch kommen und das Thema mit allen Bedenken und Schwierigkeiten besprechen. Am ENde profitieren die Vereine und speziell alle Fußballer.

    Danke an das gesamte MFS Team, das es verstanden hat viele Spieler auszubilden.
    Gruß
    Thomas

    Reply
    1. David Niedermeier Autor

      Hallo Thomas,

      das freut uns wirklich sehr! Vielen Dank für die Blumen. Wir geben unser Bestes für die, die uns am wichtigsten sind: Unsere Kinder. Sehr gerne setzen wir uns mit dem BFV und den Vereinen an einen Tisch, um das Beste für unseren Nachwuchs zu tun.

      Viele Grüße
      Faxe

      Reply
  4. Ingo Radzey

    Zu Bernds Beitrag: Ich habe eigentlich beobachtet, dass diejenigen, die körperlich im Nachteil sind (weil kleiner und “schwächer”), dies kompensieren, indem Sie Dinge früher lernen, die die körperlich bevorteilten Kinder noch nicht brauchen (z.B. Sprungkraft, Tackling). Oder andersherum gesagt: Die Großen haben oft keine solche Sprungkraft wie die Kleinen und können manche Dinge noch nicht, da sie auch so noch im Vorteil sind. Von daher muss körperliche “Schwäche” (blödes Wort, aber mir fällt gerade nichts besseres ein) kein Nachteil sein. Wenn sie später größenmäßig aufschließen, können sie schon Dinge, die die anderen erst lernen müssen. Nicht umsonst lassen einige Profi-Clubs ihre Jugendmannschaften immer schon gegen ältere Kinder/Jugendliche spielen. Das ist meines Erachtens nicht so schlecht. Steht natürlich im Gegensatz zum “Gewinnen-wollen” (bzw. Titel-Sammeln).

    Ein weiterer Ansatz könnte sein, andere Dinge als nur Fußball zu fördern bzw. zu lehren: Eine gute Ergänzung zum Fußball wäre z.B. Turnen – in Sachen Muskulatur, Beweglichkeit und Koordination sehr anspruchsvoll, würde dies evtl. einige körperliche Defizite der Fußballer ein wenig ausgleichen.

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