Kinder- und Jugendfußball: Training in homogenen Gruppen ist voll o.k.!

Gerade Fußballvereine und deren Trainer, die sich hauptsächlich im Breitensportbereich betätigen, kennen das Problem: man trainiert eine Mannschaft und hat im Prinzip zwei Gruppen vor sich: die Guten und die Schlechten. Gerade im Ausbildungsbereich kennt man das und erst gegen Ende der D-Jugend oder Beginn der C-Jugend löst sich das oft auf, wenn die Vereine beginnen, die Spieler in eine Leistungs- und eine Breitensportmannschaft einzuteilen (sofern sie dafür genug Spieler haben).

Aber bis zum Ende der E-Jugend und manchmal sogar noch ein wenig länger, ist es eben oft so, dass alle Leistungsklassen miteinander in einem Team trainieren. Und der Trainer steht vor der großen Herausforderung, allen Spielern gerecht zu werden und sie entsprechend ihrem Leistungsstand zu trainieren. Und damit sind wir auch wieder bei den oben verwendeten Begriffen von Gut und Schlecht. Ich höre oft Trainer sagen, dass „der Junge ein super Spieler ist, aber der andere, hör mir auf, der kann nix. Das kannst du vergessen.“ Ich finde, dass muss man zwingend differenzierter betrachten. Ja, es gibt talentiertere Spieler als andere. Dies ist ganz normal. Ja, es bringen die einen mehr sportliches Talent mit, das sie leichter eine Sportart lernen lässt, als die anderen, die davon halt weniger haben. Aber Fußball Lernen können Alle – der Unterschied liegt in der Lerngeschwindigkeit und natürlich auch am Ende in der Sauberkeit und Geschwindigkeit der Ausführung.

„Wir sind ein heterogenes und doch homogenes Team!“

Es würde aber einen Trainer sicher nicht stören, wenn er in einer E-Jugend eben bessere und weniger gute Spieler hat, die sich aber im Trainingsbetrieb nicht groß gegenseitig aufhalten und alle Übungen relativ gut hinbekommen. Aber das Gegenteil ist oft der Fall. Man hat sehr heterogene Spieler im Team und sehr häufig ist es auch so, dass es wenig in der Mitte gibt. Man hat nur schwarz oder weiß, gut oder nicht gut. Für den einen ist ein doppelter Übersteiger mit anschließendem Doppelpass und Torschuss kein Problem, für den anderen ist schon das Dribbling auf dem Weg zum doppelten Übersteiger eine Herausforderung.

Woran liegt das? Nur am Talent? Ich denke nicht nur und man macht es sich zu leicht, nur von Gut oder Schlecht zu reden. Nehmen wir eine E-Jugend her. Hier hat man Spieler, die trainieren und spielen im Verein, seit sie 5 Jahre sind – also seit ca. 5 Jahren. Und dann hat man Spieler, die haben erst vor einem halben Jahr mit Fußball begonnen. Klar, das ist ein enormer Unterschied. „Gut“ bedeutet also oft nur, dass diese Spieler schon weiter entwickelt sind und „schlecht“, dass diese Spieler leider noch vieles lernen müssen. Und in unserem Beispiel sind das natürlich enorme Unterschiede, keine Frage.

Dennoch ist die Situation so wie sie ist und wegschicken soll und will man diese Spieler ja auch nicht. Und wenn man, wie ja oft der Fall, nur eine E-Jugend hat, was also tun?

Dann macht es im Training einfach Sinn, homogene Gruppen oder Pärchen je nach Übungsform zu bilden. Heterogene Gruppen zu bilden bringt das schon erwähnte Problem mit sich, dass in einer Technikübung, die für manche zu schwer ist, alles fürchterlich ins Stocken gerät und der Trainingsbetrieb mehr vor sich hin stottert, als dass er flüssig von der Hand bzw. vom Fuß geht. Und wie soll die Übung denn inhaltlich gestaltet sein? So, dass es die einen nicht überfordert, aber die anderen langweilt oder umgekehrt? Ein Mittelweg? Das bringt auch keinen weiter.

Also ist es sogar richtig und wichtig, homogen zu trainieren. In einer Passübung, für die zwei Spieler benötigt werden, werden eben homogene Pärchen gebildet und evtl. sogar die Aufgaben dabei leicht modifiziert. Der Kern bzw. Sinn der Übung ist für alle gleich. Nur ist der Weg dorthin für die einen anspruchsvoller als für die anderen Spieler. Und die einen sind dabei langsamer als die anderen unterwegs, haben aber dennoch die Chance mit viel Fleiß und Training die Schere ein wenig zu schließen.

In einer Technikübung mit Torschuss empfiehlt es sich, zwei Tore nebeneinander und die Übung doppelt aufzubauen. Und auch hier können die Besseren noch die ein oder andere Zusatzaufgabe bekommen, müssen sie aber nicht. Oder der Trick ist bei Ihnen schon eine Stufe weiter, wie das Beispiel doppelter zu einfachem Übersteiger zeigt. Hier muss der Trainer dann das richtige Gespür dafür haben, denn er weiß am besten, was er den einen zumuten muss oder kann und was nicht. Das Coaching ist natürlich in diesem Fall eine große Herausforderung, denn er muss beide Gruppen im Blick haben. Wobei naturgemäß die einen weniger Coaching brauchen als die anderen. Wem das zu viel ist oder die technische Aufgabe zu wichtig ist, der kann ja auch nur eine Gruppe die Technikübung durchführen lassen und die andere Gruppe spielt z.B. ein 3 gegen 3 auf Minitore und nach 10 Minuten wird getauscht.

Wichtig: hat man als Trainer egal in welcher Gruppe (wahrscheinlich aber bei den weniger Guten) einen Spieler, der die Übung einfach nicht hinbekommt und z.B. eine Schussfinte immer mit dem falschen Fuß durchführt, dann korrigiert man diesen Spieler nicht 5 Minuten lang in der eigentlichen Übung und die anderen Spieler warten so lange. Diesen Spieler nimmt man kurz zur Seite und übt mit ihm neben der Übung diesen Trick ein paar mal im Sinne einer Trockenübung. Die anderen können derweil weiter trainieren. Selbst wenn dabei Fehler passieren, die der Trainer dann nicht sieht, ist dies immer noch besser, als wenn sie nur rumstehen würden.

Auch wichtig: diese Einteilung muss klar innerhalb der Mannschaft kommuniziert und erklärt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies mal 5 Minuten vor dem Training erklärt, alle verstanden und auch akzeptiert haben. Wenn man den trainingswissenschaftlichen Sinn dahinter erklärt, dann kommt das Gefühl nicht auf, dass „wir hier die Besten sind und ihr seid gar nix“. Sondern, dass man ein Team ist, dass gemeinsam Fußballspielen lernen will, um später auch gemeinsam schönen Fußball zu spielen. Ich habe dies auch gerne an einem Elternabend allen Müttern und Vätern erklärt, was auch alle so verstanden haben und sogar auf breite Zustimmung stieß. Denn alle Eltern wollen natürlich für ihr Kind das Beste und keine Unter- oder Überforderung. Aber das muss mal an der Stelle gesagt werden: für den Trainer ist dies keine leichte Aufgabe und wird viel zu wenig gewürdigt. Er muss fachlich, menschlich und sozial feinfühlig zu Werke gehen – was für eine meist EHRENAMTLICHE Herausforderung und Aufgabe!

Und wie geht man damit in einem Spiel um? Was tun, wenn man nur eine E-Jugendmannschaft im Verein hat oder wenn man weiß, dass der Gegner am Wochenende extrem stark ist und die weniger guten enorme Probleme haben werden, auch nur einen Ball zu sehen geschweige denn am Fuß zu haben? Dazu mehr in unserem nächsten Blog…

Bis dahin eine gute Fußballzeit!

Herzlichst, Ihr

Michael Schuppke

Ein Gedanke zu „Kinder- und Jugendfußball: Training in homogenen Gruppen ist voll o.k.!

  1. Lothar Jahn

    Hallo Michi,
    für mich sind die Ursachen noch viel tiefgreifender und da ist das meines Erachtens das ursächliche Problem in den Vereinen.
    1.
    Viele Vereine definieren sich nur über die Stellung der 1. Mannschaft. Der Nachwuchs je jünger er ist um so weniger findet er Beachtung. Sehr oft herrscht die Meinung immer noch bei den Verantwortlichen bei leider vielen Vereinen, der richtige Fußball fängt frühestens ab der B Jugend an, dann kann man sehen, ob Spieler dabei sind die für die 1. Mannschaft demnächst zu gebrauchen sind.
    2.
    Das heißt die Kinder brauch man in erster Linie als Beitragszahler und für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Kinder kommen aber heute mit hoher Motivation in die Fußballvereine tragen schon die Trikots ihrer Vorbilder denen sie nacheifern wollen. Was bieten wir ihnen an veraltete Ausbildungsmethoden, zu große Spielfelder, nur die körperlich stärksten sind gefragt, da es in erster Linie auch im Breitensport darum geht die Spiele zu gewinnen. Aufgrund der Einwechselbeschränkungen bekommen manche Kinder nur wenig Spielzeit. Die Kader sind oft sehr groß, da für eine zweite Mannschaft der Trainer fehlt oder nicht genug Kinder da sind. So fährt dann eine F Jugend mit 11 zum Spiel, 5-6 Kinder müssen schon aus dem Grund zu Hause bleiben, da sie nicht eingesetzt werden können. Viele Kinder verlassen daher auch oft schnell wieder frustriert die Vereine da Ihre Träume schnell in der bitteren Realität angekommen sind.
    3.
    Da mein Sohn Fußball, Hockey und Tischtennis gespielt hat und ich jahrelange eine Fußball AG in einem Gymnasium gemacht habe, konnte ich feststellen, dass die Wertschätzung der Kinder in den anderen Sportarten eine ganz andere ist, hier kümmert man sich teilweise rührend um die Kleinen und weiß jeden Neuzugang besonders zu schätzen. Ich habe viele Kinder erlebt, die vom Fußball zum Hockey, Basketball, Tischtennis, Handball gegangen sind aber keinen der vom Handball zum Fußball gewechselt ist.
    4.
    Im Alter der Pubertät sind die Trainer heute oft nur wenige Jahre älter als die Spieler, Da wir viele Junge Trainer bereits schon mit B-Lizenz haben, haben diese wohl die fachlichen Voraussetzungen aber es fehlt die entsprechende Lebenserfahrung und Autorität um die pubertierenden zu führen. Wir verlieren, daher auch wieder eine ganze Reihe an Spielern die sich zwischen Party am Wochenende und Fußball im Breitensport entscheiden müssen. Sehr oft ist dann auch schon die Motivation nur noch begrenzt vorhanden im Fußball was erreichen zu wollen.
    5.
    Die Spieler im Seniorenbereich werden immer jünger, Spieler über 25 trifft man immer weniger an, da es aufgrund der beruflichen Situation, im Handel bis 22.00, Schichtdienst in vielen Bereichen, Verfügbarkeit im Beruf auch oft bis in die späten Abendstunden, nur noch Studenten die Möglichkeit haben 2-3 mal regelmäßig in der Woche trainieren zu können. Obwohl mein Sohn 25 Stammspieler in der Oberliga war, kann er jetzt nachdem er seinen Bachalor in Betriebswirtschaft gemacht hat und demnächst in einen Unternehmen eine Assistentenstelle übernimmt nicht mehr regelmäßig am Training teilnehmen und wird wohl letzten Endes nicht mehr spielen können. Aber er ist keine Ausnahme so geht es vielen.
    6.
    Das Training in homogenen Gruppen kann leider bei vielen Vereinen nicht durchgeführt werden, da oft 20 Kinder in der C Jugend von einem Trainer betreut werden. Väter, wie noch bei den Kleinen, die auch schon als Co-Trainer einspringen findet man in den Altersklassen weniger, da die Kinder alleine zum Sportplatz kommen und der Trainer froh sein muss, wenn er am Wochenende genug Autos hat um seine Mannschaft zum Spiel zu bringen.
    7.
    Das heißt es fehlt bei vielen Vereinen die Struktur die erforderlich ist, dass ein kontinuierlicher Aufbau von Bambini bis zur A Jugend erfolgt, sonder es sind immer nur Bruchstücke und Baustellen die geflickt werden müssen. Ich habe selbst in der A-Jugend das mal erfahren müssen, als ich sogar in der Bezirksliga nur deshalb eine Mannschaft aufbieten konnte, weil 4 B-Jugendspieler regelmäßig geholfen haben.

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