Jann Fiete-Arp: Sinan Kurt 2.0?

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Die Tage wurde der Wechsel des Hamburger Talents Jann Fiete-Arp bekannt. Ob dies nun bereits in diesem Sommer oder dann 2020 erfolgen wird, werden wir noch sehen. Ein großes deutsches Stürmer Nachwuchstalent wechselt also nun den Verein und das ist ja per se erstmal nichts, was nicht nachvollziehbar, um die persönliche Karriere voranzubringen. Durch gute Leistungen in den Junioren Nationalmannschaften hat er bereits auf sich Aufmerksam gemacht. So hat er zum Beispiel im U17 Team in 19 Einsätzen 18 Tore erzielen können. Und auch bei seinem Verein Hamburger SV hat er durchaus auf sich Aufmerksam machen können. Und so ist es kein Wunder, dass viele Bundesliga Verein ihn auf der Wunschliste hatten. Nun also der FC Bayern. Aber macht das wirklich Sinn? Und zwar v.a. für den Spieler und seine angestrebte Weiterentwicklung?

Die aktuelle Bilanz des Jungstars ist nun eher nicht so erfreulich, was auch nicht  schlimm ist. Er ist ein sehr junger, talentierter Spieler, der einfach auch Zeit brauchen darf. In bisher elf Einsätzen konnte der Stürmer beim HSV in der 2. Bundesliga noch keinen Treffer erzielen. Auch in der U19 Nationalmannschaft konnte er in drei Spielen nur einen Treffer beisteuern. Beim 7:0 Sieg gegen Armenien verwandelte er gegen Ende des Spiels einen Elfmeter. Und aktuell kommt er beim HSV an Lasogga nicht vorbei.

Um es nicht falsch zu verstehen: Jann Fiete-Arp ist ein toller Fußballer. Das steht außer Frage und konnte man auch letzte Saison im Abstiegsjahr des HSV gut sehen. Ein mutiger, frecher Dribbler mit guten 1 gegen 1 Qualitäten und auch Abschlussstärke. Das alles hat er schon zeigen und beweisen können. Aktuell aber läuft es halt nicht so rund und er scheint beim HSV zweite Wahl zu sein. Selbst wenn Lasogga nicht spielt wie am 20. Spieltag gegen Bielefeld, wird ihm Jatta vorgezogen. 

Wie gesagt, das alles ist für einen jungen, talentierten Spieler nichts ungewöhnliches. Arp braucht einfach noch etwas Zeit. Der FCB hat ihn nicht ohne Grund geholt. Der Hamburger konnte seine gute Technik und Beidfüßigkeit bereits unter Beweis stellen. Bislang ist er aber bei Hamburg trotzdem immer noch kein Stammspieler und bei den Bayern heißt der direkte Konkurrent dann nicht Lasogga, sondern Lewandowski oder vielleicht bis dahin ein anderer großer Spieler.

Es besteht mit diesem Wechsel einfach eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich Parallelen zu ähnlichen Transfers junger Talente zum FC Bayern ziehen lassen. Sinan Kurt  z.B. kam 2015 als großes Talent zum FC Bayern. Er konnte sich gegen die großen Namen nicht durchsetzten und spielt jetzt in der zweiten Österreichischen Liga. Zugegeben: er mag nicht immer der einfachste Spieler gewesen sein, aber wirklich ausreichend Spielzeit hat er auch nicht bekommen. Zu groß und zu gut war einfach die Konkurrenz auf seiner bevorzugten Position.

Gerne wird als Gegenbeispiel Joshua Kimmich genannt. Hier konnte sich tatsächlich mal ein junger Spieler beim FC Bayern durchsetzen und hat sich einen Stammplatz erspielt. Bei Joshua Kimmich stellte sich die Ausgangssituation jedoch ein wenig anders dar. Er hatte Pep Guardiola als Trainer, der schon damals bekannt dafür war, junge Spieler auch wirklich zu fördern, wenn man sie denn schon holt. Und er hat zuvor bei RB Leipzig fast durchgehend zwei Jahre gespielt, konnte so Spielpraxis sammeln und sein technisches und athletisches Talent in Ruhe in der 3. und 2. Bundesliga in einem damals schon sehr guten Leipziger Team entwickeln. Als dann die Chance bei Bayern sich ergeben hat, war er so dann gut vorbereitet, diese auch zu nutzen. Hier konnte der Spieler genau das tun, was wir immer wieder fordern: ein super Talent muss sich nicht sofort mit den Besten messen. Das Wichtigste ist, dass das Talent viel spielen kann. Und zu Beginn der Profilaufbahn ist es gut, wenn das Talent gegen Spieler spielt, die nicht die gleich hohe Qualität wie es selbst haben, einem das fußballerische Leben trotzdem aufgrund jahrelanger Zweitligaerfahrung oder ähnlichem schwer machen. Hier kann das Talent nun seine sehr gute Technik ausprobieren, verfeinern und Erfahrungen machen. Hier kann das Talent seine Athletik, speziell seine Tiefenmuskulatur, an Spitzenniveau heranführen. Hier kann es schlicht noch weiter dazu lernen, sein technisches, taktisches und athletisches Potential verbessern und an den Herren Profifußball anpassen. Dadurch steigert sich auch das Selbstvertrauen und dann ist man auch bereit für Mehr.

Zurück zu Jann Fiete-Arp. Die Bayern haben mit dem Transfer nichts falsch gemacht. Die 2.5 Millionen Ablöse ist für sie nur eine überschaubare Investition.  Allerdings steckt hinter der Investition auch ein Mensch und dessen Zukunft, um die gepokert wird. Und es steckt ein großes deutsches Talent dahinter, welches nicht einfach so verbrannt werden darf, was zu häufig der Fall war.

Er muss viel Spielzeit und Ruhe für seine Weiterentwicklung und Anpassung an höchtes Niveau bekommen. Dies wird beim FCB zunächst mal mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein. Zu hoch ist der Konkurrenz- und Erfolgsdruck. Wie es gehen kann, zeigt aktuell das Beispiel Serge Gnabry. Eine Ausleihe wäre zunächst für beide Seiten sehr sinnvoll, damit die Entwicklung einen ähnlichen Verlauf wie bei Kimmich oder Gnabry nehmen kann bzw. überhaupt die Chance darauf besteht. Ansonsten verlieren wir ein weiteres Talent in Deutschland und man kann dann nur jedem Berater und deren Spieler raten, nicht als talentierter Jungprofi zum FC Bayern zu wechseln. Lieber erst einen Zwischenschritt gehen, bevor man auf die ganz große Bühne tritt. Und Ausnahmen wie Mbappé bestätigen die Regel;)

Eine gute Fußballzeit

Euer Michi

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