Gestern Beim Training!

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Als ich gestern bei einer kleinen abendlichen Radtour bei einem Dorfverein vorbeikam, nahm ich mir kurz die Zeit und habe mir ein Jugendtraining für ein paar Minuten angesehen. Es müsste eine E- oder D-Jugend gewesen sein. Die Kinder mussten gerade drei Runden einlaufen. Große Platzrunden! Dann stellten sich alle in einer Reihe auf, spielten nacheinander dem Trainer den Ball zu, der legte ab und die Spieler mussten direkt aufs Tor schießen. Viele Bälle flogen über das Tor und mussten mangels Fangzaun lange und umständlich geholt werden. Das kann doch nicht sein…

Und doch ist es immer noch traurige Realität. Nur ein paar Meter davon entfernt wäre ein Fangzaun gewesen und sogar ein zweites, freies Tor. Warum wird diese Struktur nicht genutzt? Mal abgesehen davon, dass diese Übung ein miserabler Klassiker ist, der die Kinder in ihrer technischen Entwicklung null weiterbringt…Nein, dazu stehen alle noch lange wartend in einer Schlange an, der letzte Spieler in der Reihe muss fast zwei Minuten warten bis er an der Reihe ist.

Wieso werden nicht die beiden Tore nebeneinander gestellt, das Ganze vor dem Fangzaun? Dann mache ich zwei Gruppen daraus, so stimmt wenigstens der Durchlauf. Und wieso findet diese Übung in der Jugendausbildung immer wieder ihren Platz? Wieso lasse ich die Kinder nicht wenigstens andribbeln, einen einfachen oder doppelten Übersteiger machen und dann aufs Tor schießen? Oder sie spielen den Doppelpass dann nach dem Übersteiger Trick? Und nicht der Trainer lässt sich anspielen, sondern ein Mitspieler? Und der Mitspieler macht kurz davor eine Auftaktbewegung? Und nach dem Torschuss bekommen sie von einem weiteren Mitspieler, der neben dem Tor steht, einen zweiten Ball zugespielt? Den müssen die Kinder annehmen und erneut mit einem Torschuss abschließen. Und dann tauschen diese drei Spieler ihre Aufgaben. Es könnte so einfach sein und würde die Kinder wirklich weiterbringen.

Ich habe zum Teil Verständnis für ehrenamtlich engagierte Väter, die halt Trainer werden, damit es überhaupt irgendeiner macht. Dass diese Väter vielleicht nie Fußball gespielt haben, ist aber ein Problem. Oder dass sie nach der Arbeit schnell noch zum Training hetzen und verständlicherweise keine Zeit hatten, sich vorzubereiten, ist auch ein Problem. Und ich habe dafür zum Teil wirklich Verständnis. Was ich aber nicht verstehe, ist die Tatsache, warum der Verein dies so akzeptiert!? Warum findet hier kein Umdenken statt? Die mangelnde Qualität des Trainings ist doch offensichtlich – wieso hole ich mir keine ausgebildeten Trainer oder professionelle Hilfe ins Boot, die mir meine Väter soweit ausbilden, dass ein sinnvolles und altersgemäßes Jugendtraining stattfinden kann? Weil es Geld kostet? In den Vereinen wird oft so viel Geld ausgegeben, z.B. für erste Herrenmannschaften in der Kreisklasse. Da verdient ein Trainer schon mal 800 Euro pro Monat und ein angeblicher Topstürmer, der früher mal fast Profi war, bekommt 500 Euro plus Punkteprämien. Das ist die Realität. Realität ist übrigens auch, dass diese Mannschaft dann doch nicht aufsteigt.

Das Geld muss wenigstens zum Teil nur umgeschichtet werden – und schon kann ich meinen Trainern eine angemessene Aufwandsentschädigung zahlen UND eine regelmäßige Trainerfortbildung finanzieren. Das hilft nicht nur den Kindern, auch die ehrenamtlichen Väter und zum Teil noch jugendlichen Trainer bekommen die Anerkennung, die sie verdienen. Und hören so nicht nach nur einem Jahr entnervt auf, sondern hängen wahrscheinlich nochmal ein weiteres Jahr dran. Vielleicht sogar noch mehr…und so ist auch der Jugendleiter von der ständigen Trainersuche befreit und kann sich wichtigeren Themen in der Kinder- und Jugendausbildung bilden.

Eine gute Fußballzeit!

Euer Michi

Gedanken zu “Gestern Beim Training!

  1. Rainer

    Guten Abend Michi,

    eine ähnliche Erfahrung wie deine ,,Radtour-Erfahrung” habe ich letztens selbst auch gemacht – jedoch beim Spazierengehen.

    Ein Aspekt würde mir noch dazu einfallen: Die Kinder werden letztendlich auch nie gefragt, wer sie trainieren soll. Die Entscheidung geht nicht von ihnen aus. Sie haben letztendlich keine Wahl: 1) Weil es vielleicht niemand anderes machen möchte, wie Du schon angesprochen hast, daher fällt die Wahl vielleicht auf den Vater, der aus Eitelkeit vielleicht auch nicht Nein sagen kann; 2) Wenn sie überhaupt die Wahl hätten, dann würde man ihnen diese Entscheidungskompetenz aber nicht zutrauen, weil es ja ,,nur” Kinder sind …

    Es fehlt letztendlich einfach an Bewusstsein für die Wichtigkeit Kinder ,,trainieren” oder bewegungstechnisch begleiten zu wollen. Es fehlt an Freude. Klingt zwar philosophisch, aber: Wenn das eigene Kind in einem selbst verloren/vergangen ist, wie soll ich dann mit Freude andere Kinder begleiten?

    Beste Grüße

    Rainer

    P.S.: Eine nette Idee meinerseits: Wie wäre es, wenn wir die Punkteprämie für den Kreisklasse-Stürmer danach richten, dass wenn er mal nicht trifft, die dafür vorgesehene Prämie an die Jugendabteilung spendet … ;-) Außerdem wäre es auch mal wirklich nett, wenn sich die Vereine mal darüber Gedanken machen würden, einen Kasten Bier weniger für die ,,dritte Halbzeit” zu kaufen und das dafür verwendete Geld der Jugendabteilung zugute kommen lassen – Vorbildsfunktion und so … ;-)

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Rainer,

      Den Vorschlag mit der Punkteprämie findet ich gut. Vielen Dank für deinen Beitrag! Alles Gute weiterhin für dein Projekt “Der kleine Lionel”!

      Liebe Grüße

      Michi

      Reply

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