Futsal und Ausbildung – Passt das zusammen?

Teilen: Share on FacebookPin on PinterestTweet about this on TwitterShare on Google+Print this page

Technisch hochwertiger Fußball, viele 1vs1 Duelle, weniger Gebolze, die Ideen hinter dem Plan des BFV den Futsal flächendeckend im Jugendhallenfußball zu etablieren sind an sich absolut sinnvoll. Grundsätzlich sind wir auch große Fans des Futsal, wie wir in einem früheren Blogartikel bereits geschrieben haben. Aber die Realität zeigt leider auch in der aktuellen Hallensaison, dass er in der aktuellen Form aus ausbildungstechnischer Sicht keinen Sinn macht. Zwei Dinge sind uns in den diversen Hallenturnieren, die wir diesen Winter bereits erleben durften, besonders negativ aufgefallen.

Da wäre zum einen die unsägliche Regel, dass der Torwart den Ball immer aus der Hand abwerfen MUSS! Es ist komplett widersinnig, den Rückpass zum Torwart zu verbieten um mehr 1vs1 Duelle zu haben und die Kinder damit zu animieren mutig ins Dribbling zu gehen, dann aber den Torwart den Ball aus der Hand und sogar über die Mittellinie abwerfen zu lassen. Dies führt, und das sieht man jedes Wochenende in allen Altersklassen, zu wilden Abwurf- und Abschlagorgien wo der Ball nur von einem Torwart zum anderen hin und her fliegt. 1vs1 Duelle und mutiges Dribbling? Fehlanzeige! Vielleicht wäre es sinnvoll eine Art Drittelzone ähnlich dem Strafraum im Herrenbereich draußen einzurichten, den der Gegner erst betreten darf, wenn der Ball vom Torwart ins Spiel gebracht wurde. So bekommt der Verteidiger zumindest kurz Zeit den Ball zu kontrollieren und dann weiter zu spielen.

Das Thema Zeit führt direkt zum zweiten Punkt, der uns gerade immer mehr auffällt. Im F- und E-Jugend Bereich wird noch mit 5 statt 4 Feldspielern Futsal gespielt. Dadurch wird der Raum für die Spieler noch enger. Der Zeitdruck wird extrem und die Kinder haben keine Möglichkeit mehr einen Ball sauber anzunehmen und zu verarbeiten. Sie können nichts ausprobieren und sind gezwungen hektisch und ungenau weiter zu spielen. Eines der häufigsten Gegenargumente, dass wir dann immer hören ist, das die Kinder lernen müssen unter Druck Lösungen zu finden. Aber das ist kompletter Blödsinn. Das Gegenteil ist der Fall. Kinder müssen ohne Druck Fußball Spielen dürfen und die Möglichkeit haben, auch Dinge auszuprobieren. Genauer haben wir das auch schon in unseren Artikeln über „die 4 größten Irrtümer über Jugendfußball“ beschrieben. Deshalb sagen wir: Lasst die Jungs auch in der F- und E-Jugend mit 4 Feldspielern spielen. Gerade in den jungen Altersklassen brauchen die Kinder Zeit, um sich ausprobieren zu können.

Abschließend bleiben wir bei unserem Fazit. Futsal ist super, wenn man die Jungs spielen lässt. Leider sind nach wie vor die meisten Trainer zu ergebnisorientiert. Deshalb bleibt die fußballerische Ausbildung der Kinder auf der Strecke. Dabei bietet sich gerade der Futsal an, den Kindern Lösungen für 1vs1 Situationen beizubringen. Hier muss der BFV zwingend die Trainer in die Pflicht nehmen und diese schulen, wie sie Futsal und ausbildungsorientierten Fußball kombinieren können. Aktuell bleibt bei uns das Gefühl, dass der Futsal mit Gewalt implementiert wird und sich pedantisch an die Regeln gehalten werden muss. Warum es z.B. eine Zeitstrafe gibt, wenn ein Auswechselspieler sein Leibchen zu früh auszieht und dem ausgewechselten Spieler gibt, erschließt sich uns nicht. Warum müssen Wechselspieler überhaupt ein Leibchen anhaben? Und warum wollen wir mitspielende Torhüter (Neuer, ter Stegen etc.) lassen unsere Nachwuchskeeper dann aber 4 Monte lang nicht mehr am Spiel teilnehmen? Der BFV muss die Futsal Regeln überarbeiten und an den Ausbildungsfußball anpassen. Ansonsten bleiben die Futsalturniere eine gute Idee, aber leider nicht mehr…

Herzliche Grüße

Michael Schuppke

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *