eSport in der Bundesliga – Ein logischer Schritt oder eine Gefahr für die Kinder und Jugendlichen?

Die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet immer weiter voran. Immer mehr Dinge lassen sich heute bequem von zuhause aus erledigen. Diese Entwicklung macht auch vor unseren Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Spiele wie Fortnite, Fifa oder Minecraft gehören längst zum Alltag der Kids. Unser Trainer Michi Maguhn hat dazu in unserer letzten Ausgabe der „EinsNull“ einen Artikel geschrieben. Doch auch vor der Bundesliga macht diese Entwicklung nicht halt.

Seit der Saison 2018/19 duellieren sich 22 Mannschaften aus der Ersten bis zur dritten Bundesliga um die Meisterschaft in der „Virtuellen Bundesliga“ kurz VBL. Wir empfinden diese Entwicklung als sehr problematisch. Ob Computerspiele als „Sport“ definiert werden können, darüber lässt sich durchaus streiten. Aus unserer Sicht ist Sport immer mit körperlicher Betätigung verbunden (ja, auch Schach fällt somit aus dieser Kategorie raus). Aber unabhängig von der Definition ist es unstrittig, dass nachmittags drei Stunden vor der Konsole zu sitzen erhebliche Nachteile hat im Vergleich zu drei Stunden Kicken mit den Freunden.

Da wäre zunächst der offensichtlich körperliche Aspekt. Bewegung tut gut und ist gerade in jungen Jahren unerlässlich für die Entwicklung der Kinder. In einer Zeit, in der die Kinder sowieso bereits deutlich weniger Bewegung haben, durch längere Schulzeiten, weniger Sportunterricht und einem immer mehr durchgetakteten Alltag ist das Füllen der wenigen Freizeit mit Computerspielen doppelt schädlich. Dazu kommt als nächstes der soziale Aspekt. Ja, auch wir wissen, dass man Computerspiele im Multiplayer mit anderen zocken kann. Aber es kann uns keiner sagen, dass das interaktiver ist, als rauszugehen und mit den Freunden zu zocken bis es Dunkel wird. Und nicht zuletzt ist da noch der Gruppenaspekt. In einer Mannschaft zu spielen fördert das Sich Einordnen in ein Gruppengefüge. Die Kinder lernen sich in einer Gruppe ein-, unter oder auch überzuordnen.

Völlig absurd wirkt es unter diesen Voraussetzungen, dass immer mehr Bundesliga Vereine ein eigenes „eSport-Team“ ihr Eigen nennen. Ulli Hoeneß war immer ein großer Gegner dieser Entwicklung. Wenige Wochen, nachdem er beim FC Bayern keinen offiziellen Posten mehr innehat erklärt Karl-Heinz Rummenigge, dass auch der FC Bayern nun ein ESport-Team bekommen wird. An sich ja ihr gutes Recht, aber dann sollen sie auch so ehrlich sein, klar zu sagen, warum sie das machen. Es geht ausschließlich ums Geld. Im Jahr 2018 wurden im ESport Bereich 750 Millionen Euro umgesetzt. Klar, dass auch der FC Bayern davon etwas abhaben möchte.

Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Es gibt für eSportler mittlerweile Berateragenturen. Ein durchschnittlicher Profi kann im eSport hohe fünfstellige Beträge pro Jahr verdienen. Netto versteht sich. Die allerbesten verdienen gar Millionen mit Preisgeldern bei internationalen Turnieren. Das sind alles Dinge, die kann man gut oder schlecht finden, ändern wird man sie nicht.

Aber dass Internetseiten wie redbull.com (und damit eben RB Leipzig) oder ran.de Artikel schreiben, wie man FIFA-Profi werden kann und dabei vorschlagen die Kinder sollen mindestens 3-4 Stunden pro Tag vor der Konsole sitzen, ist ein Auswuchs dieser Entwicklung der zurecht kritisiert werden muss. Durch den Einstieg der Bundesligavereine in den ESport werden die Kinder und Jugendlichen noch mehr an die Konsolen und vor die Bildschirme gezogen. Entweder weil sie eben auch „FIFA-Profi“ werden wollen oder weil sie nur ihren Idolen und ihren Lieblingsmannschaften nacheifern.

Als Fazit passt auch hier der letzte Absatz von Michi aus unserer diesjährigen Ausgabe der EinsNull:

„Geht raus, bewegt, streitet, freut Euch! Es muss nicht der Verein sein und nicht die Fußballschule, nicht organisiert oder strukturiert! Einfach mal wieder draußen sein bis es dunkel wird und mit den besten Freunden zusammen in Bewegung sein! Wieder analog in der echten Welt mit Kumpels auf dem Fußballplatz im Regen stehen! Wir geben die Hoffnung nicht auf und kämpfen weiter mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen an. Analog und live auf dem Platz!“

 

Herzlich

Michael Schuppke

Ein Gedanke zu „eSport in der Bundesliga – Ein logischer Schritt oder eine Gefahr für die Kinder und Jugendlichen?

  1. Günter Raldi

    Ja, Ja, Ja…. und schaut euch zusätzlich die Bravo Sport und ähnliche Medien an. Vordergründig wird der Fußball gehypt mit den absurdesten Story und dann gehts ab zum eSport Bereich. Wißt ihr das ein Abo der Bravo Sport im Jahr genausoviel kostet wie die Jahresprämie die man für ein Abo bekommt? Mit anderen Worten: Ein kostenfreies Werbeblättchen das denKids frei Haus geliefert wird um dann die Trikots der Nationalkicker für 129€ zu kaufen oder sich die nächsten FiFa Coins… Absurd das alles….

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.