Elternkonflikte – Wir sind ein Team

Als wir früher als Kinder Fußball gespielt haben, waren unsere Eltern zwar beim Training dabei, aber sie machten dort meist ihre eigenen Sachen. Wir Kinder spielten Fußball, die Erwachsenen redeten miteinander und tranken Kaffee. Eher eine kleine Handvoll Opas und Väter schauten bei unserem Spiel zu und gaben exakte taktische Analysen ab, warum das Spiel gewonnen oder verloren wurde („Ihr müsst den Ball mehr laufen lassen“).

Die meisten aber unterhielten sich einfach. Und zwar mit Sicherheit nicht über Fußball, sondern über Erwachsenenthemen. Kamen wir nach dem Training zu unseren Eltern und erzählten von unseren Erfolgen, streichelten sie uns über den Kopf und sagten „Gut gemacht“, auch wenn sie gar keine Ahnung hatten, ob dem wirklich so war. Und wenn wir frustriert waren, weil das Punktspiel am Wochenende verloren ging oder man selbst eine Großchance versemmelt hatte, dann wurden wir von unseren Eltern getröstet. Fußball war den Eltern in der Regel nicht so wichtig.

Heute ist er das schon. Die Eltern verfolgen Training und Spiele mit ernsthafter Aufmerksamkeit, ja sogar oft mit einer Verbissenheit, die Trainern und Kindern auf dem Platz den Spaß am Fußball mitunter nehmen kann. Heute halten viele Eltern ihren Kindern nach dem Training erst einmal einen Vortrag darüber, was sie alles falsch gemacht haben. Eine freudlose Atmosphäre, in der ein künstlicher Druck aufgebaut wird. Viele Eltern ahnen wahrscheinlich gar nicht, wie viel sie damit in den Kindern kaputt machen. Sobald Kinder sprechen können, ist eine ihrer ersten Botschaften: „Schau mal Papa, was ich kann.“ Kinder lechzen nach Anerkennung. Dieser Satz sagt alles aus. Kinder wünschen sich von ihren Eltern vor allem Anerkennung und Aufmerksamkeit. Warum fangen die meisten jungen überhaupt mit dem Fußball an? Wegen seine Freunden und weil Fußball allgegenwärtig ist und Spaß macht. Oder weil Papa selber spielt oder gespielt hat? Oder ziemlich viel Fußball im Fernsehen schaut? Es versucht natürlich in diesem Fall seinem Vater nachzueifern. Wenn Papa Handball oder Hockey spielen würde, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind versuchen würde, in einer dieser Sportarten erfolgreich zu sein. Umso schlimmer ist es, wenn es dann statt Anerkennung fast nur Kritik zu hören bekommt. Das verstört die Kinder. Alles, was es wollte, war doch nur, seinem Papa zu gefallen, es ihm recht zu machen. Darum trifft ein Satz wie „Was hast du da wieder für einen Mist zusammengespielt.“ Kinder hart. Er belastet das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder sehr und wirkt sich bald auch negativ auf die Einstellung der Kinder zum Fußball aus.

Die schlechte Nachricht zuerst: Ohne Eltern geht es für einen Trainer nicht. Die gute Nachricht: Es kann mit den Eltern auch viel besser gehen als ohne sie. Das gesteigerte Interesse der Eltern hat nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile für Trainer und Vereine. Eltern sind für den Trainer wichtige Ansprechpartner. Wenn ein Kind plötzlich im Training lustlos ist, kann das viele Ursachen haben. Kinder reden jedoch nicht immer über ihre eigenen Befindlichkeiten. Ein Acht- oder Neunjähriger wird mit seinem Trainer kaum von sich aus über Schulstress oder familiäre Probleme reden. Hier helfen einem die Eltern mit wichtigen Hintergrundinformationen weiter, so dass man als Trainer viel besser auf die Situation des Kindes reagieren kann.

Um ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern herzustellen, muss ein Trainer bereit sein, Eltern und ihre Sorgen und Ängste zu verstehen. Er muss sich mit ihnen auseinandersetzen, sie „mit ins Boot holen“. Eltern erwarten von einem Trainer Knowhow. Sie wollen, dass ihre Kinder gut betreut werden und dass die Kinder im Training wirklich etwas lernen. Man kann von diesem Optimierungsgedanken, der oft in Leistungsdruck ausartet, halten, was man will, aber eigentlich liegen Eltern und Trainer genau in diesem Punkt auf einer Wellenlänge: Beide wollen für das Kind das bestmögliche Training. Nur leider haben sehr viele keine Vorstellung davon, wie das beste Training für ihre Kinder auszusehen hat. Sie sind, genau wie viele Vereine auch, im Gewinndenken verfangen oder hängen alten Idealen nach, dass Fitness und Zweikampfhärte es schon richten werden. Warum sollten es Eltern auch besser wissen? Wenn niemand Sie aufklärt? Es ist die Aufgabe eines guten Trainers, die Eltern zu informieren und ihren Leistungswillen in die die richtigen Bahnen zu lenken.

Wenn Sie sich als Trainer entschließen nach der Methode und Philosophie von MFSFussballtraining.TV und mit unseren Prinzipien zu trainieren ist es wichtig, dass Sie die Eltern mitnehmen und von ihren Trainingsmethoden überzeugen. Im ersten Schritt bedeutet das mehr Arbeit und mehr Zeitaufwand. Doch es lohnt sich. Sie werden sehen, wenn Sie als Trainer die Eltern von ihrem Konzept überzeugen und hinter sich bringen, wird der Umgang miteinander immer unkomplizierter.

Wie lassen sich viele Konflikte zwischen Eltern und Verein vermeiden? Dazu mehr in einem zweiten Teil…

Eine gute Fußballzeit!

Michael Schuppke

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