Elternkonflikte – Wir sind ein Team Teil 2

In Teil 1 haben wir den Unterschied zum Jugendfußball früher und heute aufgezeigt und kurz erklärt, welche Probleme oft damit einhergehen. Im zweiten Teil unseres Blogeintrags wollen wir näher betrachten, wie sich Konflikte zwischen Eltern und Verein vermeiden lassen. 

Eine Vielzahl dieser Konflikte zwischen Eltern und Verein lässt sich vermeiden, wenn man den Eltern vor Beginn des Punktspielbetriebes Konzept und Ausbildungsphilosophie ausführlich vorstellt und erklärt, warum unserer Meinung nach das Gewinnen um jeden Preis am Anfang der Ausbildung nicht zielführend ist. Am besten geschieht dies auf einem Elternabend. Es öffnet den Eltern die Augen, wenn sie erfahren, was ihr Kind – gemäß unserer Trick- und Spielphilosophie – auf dem Platz alles an Aufgaben zu bewältigen hat und dass sie bereits dadurch richtig gefordert sind. Es öffnet ihnen die Augen, dass es einen plausiblen Grund gibt, warum der beste Spieler der Mannschaft nicht immer spielt, sondern sich unserem Rotationsprinzip unterordnen muss. Eben weil auch er lernen muss, das Fußball ein Teamsport ist und er sich unterzuordnen hat, wie jeder andere auch. Später wird so ein Spieler von dieser Erfahrung unheimlich profitieren, weil Einzelgänger in einem Fußballteam nun mal nicht funktionieren können. Er wird dadurch zu einem besseren Fußballer, weil ihm das Teamverständnis in seiner Ausbildung nicht abhanden kommt. Um den Eltern unsere Philosophie klar zu machen, haben wir ihnen auch schon angeboten, dass sie die nächste Mannschaftsaufstellung machen können. Das sie zu jedem Kind gehen, und ihm sagen, dass es nicht spielt, weil es nicht gut genug ist. Ins Gesicht.

Die Eltern müssen die Ideen und Vorstellungen des Trainers mittragen. Sonst funktioniert es nicht. Wenn Eltern und Trainer keine Einheit bilden, werden sie von den Kindern sehr schnell gegeneinander ausgespielt. Abfällige Kommentare der Eltern über die Spieltaktik, das Rotationsprinzip oder Entscheidungen des Trainers  führen dazu, dass die Autorität des Trainers untergraben wird und machen es dem Trainer in Zukunft schwerer, die Mannschaft zu führen. Selbst, wenn Eltern negative Kommentare ihrer Kinder nur dulden, und diesen nicht widersprechen, richten Sie damit Schaden an. All dies ist Eltern oft gar nicht bewusst. Auf unseren Elternabenden sind die meisten Eltern regelrecht erleichtert, wenn sie erfahren, dass alle Kinder die gleichen Spielzeiten erhalten, dass alle Kinder gleich gefördert und keines benachteiligt wird. Das wenigstens im Fußball der Druck weg ist, immer sofort funktionieren zu müssen, ohne die Zeit zu haben, sich überhaupt zu entwickeln. Natürlich sind Sie anfangs skeptisch, ob das Training wirklich so anspruchsvoll ist, wie wir versprechen. Aber wenn Sie sehen, was die Kinder nach einigen Wochen bereits auf dem Platz können, dann möchten Sie für ihre Kinder kein anderes Training mehr.

Auch wenn es mühselig ist, empfehlen wir, jedem Trainer, mit seinen Eltern einen Elternabend zu veranstalten, um die Eltern über die größten Irrtümer im Kinderfußball aufzuklären, um sie über Ausbildungsziele zu informieren, um falsche Erwartungen zu dämpfen und um einen gemeinsamen Verhaltenskodex festzulegen. Auf diese Art lassen sich meist im Vorfeld schon zahlreiche Konflikte bändigen. Die Zeit, die Sie als Trainer am Anfang in ein solches Treffen mit den Eltern  investieren, zahlt sich garantiert aus.

Vereinbaren Sie mit den Eltern folgende Grundsätze:

  • Die Eltern dürfen ihre Kinder vom Seitenrand aus immer anfeuern. Taktische Anweisungen  wie „Lauf!“, „Spiel ab!“ oder „Schieß!“ kommen allerdings nur vom Trainer.
  • Entscheidungen des Schiedsrichters werden grundsätzlich nicht kommentiert. Es gibt auch keine Hinweise auf Fehlentscheidungen. Überhaupt findet mit dem Schiedsrichter keine Kommunikation statt, außer, dass man sich nach dem Spiel bei ihm bedankt.
  • Die Eltern dürfen mit dem Trainer über alles reden, nur nicht über die Leistung anderer Kinder. Als Trainer reden Sie mit Eltern nur über ihr Kind. Niemals über andere.
  • Wenn Eltern ein Problem mit dem Training haben oder es irgendwelche Ungereimtheiten gibt, müssen sie die Möglichkeit haben mit dem Trainer zu reden. Vereinbaren Sie feste Zeiten nach dem Training, in denen Sie den Eltern für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Sagen Sie den Eltern auch, wann Sie nicht mit ihnen reden können, etwa direkt vor dem Training oder einem Punktspiel, wenn ihre Aufmerksamkeit den Kindern gehört.
  • Wenn Sie mit Eltern über ihr Kind reden, ist das Kind niemals dabei. Erst, wenn Sie die Situation besprochen und ein gemeinsames Vorgehen für die Zukunft vereinbart haben, wird das Kind darüber informiert. Auch andere Eltern sollten so einem Gespräch nicht beiwohnen.
  • Bitten Sie die Eltern, die Leistungen ihrer Kinder im Training oder im Spiel nicht zu kritisieren. Selbst dann, wenn die Kritik berechtigt ist, sind Vater oder Mutter dennoch die falschen, die sie äußern sollten. Kritik sollte nur vom Trainer kommen. Von diesem wird sie von Kindern auch ganz anders angenommen und wesentlich besser verarbeitet.
  • Versammeln Sie die Eltern in Spielen hinter sich, um sie einerseits besser steuern zu können und um den Kindern zu demonstrieren, dass Trainer, Mannschaft und Eltern eine Gemeinschaft sind die zusammensteht.

Wenn es Eltern gibt, die diese Grundsätze nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen oder die nicht bereits sind diese Philosophie mitzutragen, dann ist das eben so und man geht in Zukunft besser getrennte Wege und diejenigen Eltern versuchen es mit ihren Kindern vielleicht in einem anderen Verein.

Eine gute Fußballzeit!

Euer Michael Schuppke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.