Einfach spielen lassen? Frank Wormuth meint JA!

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Eine häufig verbreitete Meinung im Jugendfußball ist es, die Kinder im Training in Teams zu unterteilen und möglichst viel spielen zu lassen. Und das ohne große Vorgaben. „Der Trainer ist bis zur D- oder C-Jugend nur Wegbegleiter“, so der oberste Fußballlehrer des DFB, Frank Wormuth. Eine Forderung von oberster Stelle also. So wie wir das verstehen heißt, weniger angeleitetes Training, stattdessen mehr spielen mit möglichst wenig Anleitung. Und er steht mit dieser Meinung nicht alleine da.

Damit erhofft man sich, dass die Kinder ihre eigenen Strategien und Ideen für das Spiel entwickeln und so von selbst zu außergewöhnlichen Spielern heranwachsen.

Dies ist unserer Meinung nach eine der fatalsten Irrtümer im Kinder- und Jugendfussball und hat verheerende Folgen für unsere Talente. Um die Absurdität dieser Aussage zu unterstreichen möchte ich folgendes Beispiel heranziehen.

Man stelle sich einen siebenjährigen, extrem schnellen Spieler vor. Dieser ist technisch allerdings noch nicht so gut. Am meisten Anerkennung und Zuspruch erhält der Spieler aktuell, wenn er sich den Ball einfach am Gegenspieler vorbeilegt und hinterherläuft. Auf diese Weise gewinnt er fast jede Zweikampfsituation und schießt vermutlich auch sehr viele Tore oder legt viele gefährliche Situationen auf.

Aber eine technische Entwicklung findet doch hier kaum statt. Was lernt der Spieler denn auf Dauer? Kurzes Dribbling, Ball am Gegner vorbeispielen, hinterherlaufen und schießen. Aber was ist mit sauberen Ballannahmen? Mit Ballmitnahmen in z.B. offene Stellungen oder weg vom Gegner? Was ist mit längeren Dribblings oder Wenden aus Drucksituationen heraus? Was ist mit gezielten Flugbällen beidfüßig? Was ist mit Finten im offensiven 1 gegen 1, die er später unbedingt brauchen wird?

Wenn ich als Trainer hier nicht interveniere und ihn in diesem Fall buchstäblich laufen lasse, wird der Spieler sich technisch nur langsam weiterentwickeln. Resultat wird auf Dauer ein Spieler sein, der zwar auf Grund seines Tempos relativ hochklassig spielen kann, aber Topniveau nie erreichen wird, da ihm die Technik dazu fehlt. Denn erreicht der Spieler ein höheres Spielniveau, so trifft er hier zunehmend auf gleichschnelle Spieler, an denen man nicht mehr einfach den Ball vorbeilegen und hinterherrennen kann.

Um das vollständige Potential dieses Spielers zu erreichen, benötigt dieser Spieler vor allem technische und auch schon erste taktische Korrekturen durch seinen Trainer. Anstatt den Ball einfach vorbeizulegen, muss der Spieler lernen, vor dem Zweikampf eine Finte durchzuführen. Und noch vieles Mehr.

Wo heute noch ein Durchkommen gegen viele Gegner am Flügel durch seine Schnelligkeit möglich ist, sollte der Spieler auch mal lernen, den Angriff mit Hilfe einer Wende abzubrechen, um das Spiel zu verlagern. Um eben noch ein weitere Lösung kennenzulernen.

Die große Gefahr dabei, die Kinder Ihre Lösungen selbst finden zu lassen, liegt darin, dass die Spieler über viele Jahre hinweg sowohl taktische als auch technische Fehler automatisieren, die später kaum mehr zu korrigieren sind.

Ich möchte es noch an einem weiteren Zusammenhang bildlich erklären.

Betrachten wir dazu die Evolution. Ein Trainer, der selbst Jahre lang gespielt hat und sich moderne Trainingsmethoden angeeignet hat, gibt sein gesamtes Wissen an seine siebenjährigen Spieler weiter. Diese bauen diese Ideen in Ihr Spiel ein und erreichen somit ein höheres Wissen und eine höhere Spielqualität als ihr Trainer. Die heute siebenjährigen Spieler geben dieses Mehr an Wissen später als Trainer an die nächste Generation weiter.

Auf diese Weise hat sich der Fußball in den letzten 10 Jahren enorm weiterentwickelt. Wenn wir nun diese Inhalte nicht weitergeben, kann sich jeder vorstellen wohin die Reise geht. Im normalen Leben werden wir vom Bambinialter bis hin zur Universität komplett ausgebildet, erzogen und korrigiert. Auf diese Weise erhalten wir das Wissen der alten Generation und entwickeln basierend auf diesem Wissen neue Erkenntnisse und Fortschritte.

Nur wenn wir unsere jungen Spieler immer wieder korrigieren und in allen Bereichen ausbilden, sie in die richtige Richtung lenken, können sie Ihr volles Potential entwickeln. Tun wir dies nicht, erreichen Sie niemals Ihre volle Leistungsfähigkeit. Also muss der Trainer auch in jungen Jahrgängen nicht nur Wegbegleiter sein, sondern auch Lehrer!

Auf welche Themen und mit welchen Korrekturen ihr Eure Kinder und Jugendlichen entwickeln könnt, findet Ihr bei uns auf MFSFussballtraining.TV.

Eine gute Fußballzeit!

Euer David Niedermeier

Ein Gedanke zu “Einfach spielen lassen? Frank Wormuth meint JA!

  1. Micha Wild

    Moin Martin,

    Danke für den Kommentar, der uns aus der Seele spricht. FUNino ist für uns die Spielwiese, auf der die Kids Lösungen für Spielsituationen selber finden und dadurch vie besser verinnerlichen als durch “Vortrag eines Lehrers”.

    Wir haben allerdings gerade dieses Jahr mit unserer U10 gelernt, dass eine Technikausbildung die perfekte Ergänzung ist. Denn das 1vs1 ist nun mal unumgänglich im modernen Fußball. Die Kids brauchen einen großen Werkzeugkasten an Tricks und Ballbehandlung. Da die meisten Kids von sich aus eher immer die gleichen Tricks üben, und manchmal auch den praktischen Einsatz gar nicht so richtig kennen, haben wir ein zusätzliches Techniktraining angeboten. Mit dem Angebot der MFS konnten sich einige technisch nicht so versierte Spieler, die aber eine gut ausgebildete Spielintelligenz hatten, deutlich verbessern.

    Deshalb volle Zustimmung zu Deiner Aussage, die Lösung liegt in der Mitte!

    LG nach Brandenburg,

    Micha

    Reply

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