Die vier größten Irrtümer über Jugendfußball

Teilen: Share on FacebookPin on PinterestTweet about this on TwitterShare on Google+Print this page

Freude und Freunde. Darum wollen Kinder Fußball spielen und gehen in den Verein. Doch dort warten auf die meisten Kinder statt Spaß und Anerkennung leider sehr oft Druck und falsches Leistungsdenken.

Die vier größten Irrtümer über den Jugendfußball lauten:

  1. Die Kinder brauchen Druck, um zu lernen und sich zu verbessern.
  2. Die Kinder müssen sich stets mit den Besten messen, um weiter zu kommen.
  3. Die Kinder sind gute Fußballer, wenn sie ihre Spiele gewinnen.
  4. Um zu gewinnen, müssen die Kinder vor allem fit genug sein.

Ich möchte mich nun jede Woche näher mit einem dieser Punkte intensiver beschäftigen und gerne zur Diskussion einladen.

1. Leistungsbereitschaft durch Druck

Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie Sie als Kind mal vor einer Hausaufgabe saßen und Ihr Vater oder Ihre Mutter stand direkt hinter Ihnen, bereits genervt, dass es – mal wieder – solange dauert. Beim Blick auf die Aufgabe in dem Buch fühlte sich Ihr Kopf an wie eine frisch gewischte Schultafel. Vollkommen leer. Nichts ging mehr. Ein klassischer Blackout, hervorgerufen durch den Druck auf der Stelle funktionieren zu müssen.

0001_MFS_3Druck lähmt. Er erzeugt Angst. Deswegen brauchen wir auf dem Fußballplatz keinen Druck. Warum wollen wir Kinder beim Fußballspielen verängstigen? Es gibt dafür keinen Grund. Menschlich nicht. Aber auch nicht, um die Kinder zu fördern. Druck motiviert nicht (Wir werden später noch erklären, auf welche positiven Anreize Kinder viel besser reagieren.). Ein Kind, dass auf dem Fußballplatz nur deshalb schnell rennt, weil es sich vor der Standpauke seines Vaters oder seines Trainers ängstigt, wird sich nicht fußballerisch entwickeln, sondern – sobald die Gelegenheit da ist – von dem Sport lassen, der in ihm ständig dieses unangenehme Druckgefühl erzeugt. Trainer und Eltern, die ihre Kinder unter Druck setzten, hemmen sie in ihrer Leistungsfähigkeit. Die Kinder lieben das Fußballspiel, sie wollen kicken. Wenn sie einen Fehler machen, dann nicht aus Faulheit, sondern weil sie es – noch – nicht besser können.

 

In unserem Training gibt es keinen Druck für die Kinder. Wir fordern von den Kindern technisch extrem anspruchsvolle Bewegungen. Da sind Fehler gerade am Anfang vorprogrammiert. Um diese Fehler abzustellen, brauchen Kinder kontinuierliche Hilfestellung und Anleitung von ihrem Trainer. Aber müssen gute Sportler nicht mit Druck umgehen können? Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber im Kindesalter ist Druck nichts weiter als eine weitere Form der Selektion, die viel zu früh ansetzt. Kinder befinden sich in der Entwicklung. Sie haben noch keine vollkommen ausgereifte Persönlichkeit. Es gibt Kinder, die Niederlagen besser verkraften als andere, und sich durch den Druck, der ihnen von Eltern oder dem Trainer gemacht wird, nicht verändern. Sie halten Druck problemlos aus. Diejenigen Kinder jedoch, die den Druck an sich heranlassen, gehen sofort unter. Sie erhalten durch das permanente negative Feedback („Du musst härter schießen.“ „Wieso hast du den Ball vorm Tor nicht abgespielt?“) unaufhörlich die Bescheinigung, kein guter Fußballer zu sein. Noch bevor sie die Gelegenheit hatten, sich als Persönlichkeit und Fußballer über einen längeren Zeitraum zu entwickeln. Diese Zeit müssen wir den Kindern jedoch geben.

Wer Kinder mit Druck trainiert, trainiert sie falsch.

Und wie steht es mit dem zweiten Punkt? Müssen sich Kinder und Jugendlich wirklich immer mit den Besten messen, um gute Spieler zu werden? Nächste Woche dann mehr dazu. Bis dahin eine gute Fußballzeit!

Euer Michi

Gedanken zu “Die vier größten Irrtümer über Jugendfußball

  1. Roger

    Man sollte die Kinder in Ruhe trainieren lassen.
    Jeder macht Fehler auch erfahrene Bundesliga Spieler.

    Reply
    1. Michi

      Fehler machen muss eben erlaubt sein, nur so werden die Kinder besser und bauen so Selbstvertrauen auf.

      Reply
  2. Valdir Ferreira Mendes

    Hallo Michi , welche Alterskasse meinst Du als Kinder? Ich trainiere Mädchen zwischen 11 und 13 Jahre!! Wie ist da mit dem Druck?
    LG Valdir

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Valdir

      da gilt noch das Gleiche! Die Entwicklung und Ausbildung muss im Vordergrund stehen. Ein wenig Druck ist ja immer von Natur aus vorhanden, aber das soll ja auch so sein. Aber die Spielerinnen müssen wissen, das Fehler machen erlaubt ist. Solange sie nicht absichtlich gemacht werden. Also die Einstellung darf darunter natürlich nicht leiden. Die muss stimmen. Wenn nicht, dann muss man natürlich als Trainer deutlich machen, dass dies so nicht passt.

      Grüße
      Michi

      Reply
  3. Annett

    Hallo Michi,

    ich finde Deinen Beitrag super und er unterstützt meine Denkweise. Unser noch 5-jähriger Sohn ist gerade in einem Fussballverein, bei dem es einen Trainerwechsel gab. Der Trainer lässt “seine” besten 6 Spieler richtig einspielen – fast schon wie bei den Profis. Turniere spielen immer diese 6 Kinder. Unser Sohn ist nun seit ca. 1,5 Jahren dabei und durfte bei 1,5 Turnieren mitspielen (1,5 weil er bei dem letzten Turnier – es waren 6 Spiele – nur max. eine Minute Einsatzzeit bekam, die restliche Zeit sass er in der prallen Sonne und war völlig frustriert). Wir erwägen nun einen Vereinswechsel. Würdest Du uns dazu raten? Wir haben uns bewusst einen Verein ausgesucht, der bei diesem besagten Turnier letzter wurde, aber der Trainer eine “gesunde” Einstellung hat – ähnlich wie hier beschrieben. LG Annett

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Anett,

      das wichtigste ist, dass er spielt und so mit den Spaß am Fußball nicht verliert. Ist er frustriert und der Trainer ihn nicht spielen lassen wird, dann bleibt ja entweder nur ein Gespräch mit dem Trainer oder eben der Wechsel. Ich würde dabei nie in diesem Alter nach der Tabelle gehen, sondern nach der Tatsache, wo mein Sohn am besten gefördert wird und Spaß hat. Das kann eben unter Umständen auch ein Verein sein, der in der Tabelle nicht gut dasteht. Aber das Training ist gut und somit kann er sich prima weiterentwickeln.
      Alles Gute für Sie und Ihr Kind!

      Liebe Grüße

      Michi

      Reply
  4. Dirk

    Hallo
    Finde dein Beitrag Spitze erlebe es gerade selbst bei meinen Sohn ist 12 Jahre alt und spielt auch bei einem Verein wo meint man muss sie unter Druck setzen.
    Bin am überlegen ihn weg zu tun aber er mag nicht
    Ein beispiel 12 Jahre alt wird gelobt im training
    Im Spiel sitz er auf der Bank spielt genau 30 sec und der scheri pfeifft ab.Trainer sagte zu ihm konnte dich nicht bringen die Spielsituation lies es nicht zu du hast der Mannschaft damit geholfen.
    Ich verstehe bei so grosse Vereine nicht was das soll.

    Reply

Hinterlasse einen Kommentar zu Michi Schuppke Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>