Die vier größten Irrtümer über Jugendfußball – Teil 2

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Letzte Woche haben wir angefangen, die vier größten Irrtümer im Jugendfußball näher unter die Lupe zu nehmen. Wer Kinder mit Druck trainiert, trainiert sie falsch – das war unser Thema letzter Woche.

Jetzt wollen wir uns mit einer zweiten Frage auseinandersetzen: Müssen sich Kinder und Jugendlich wirklich immer mit den Besten messen, um gute Spieler zu werden?

2. Wettkampf gegen die Stärksten

Was ist dran an der These, dass nur der Wettkampf mit den besten Spielern einer Altersklasse die Kinder fußballerisch weiterbringt? Gar nichts. Doch leider hält sich genau dieser Glaube noch immer in vielen Fußballvereinen. Es ist vollkommen an den Haaren herbeigezogen, dass Kinder, die permanent gegen starke Mannschaften spielen, selbst besser werden. Das Gegenteil ist der Fall. In einem Spiel gegen ein starkes Team, in dem eine Mannschaft permanent vom Gegner bedrängt wird, lernt diese Mannschaft nichts weiter als das Verteidigen. Es findet kein Spielaufbau statt, die Bälle werden hinten herausgeschlagen in der Hoffnung, dass vorne schon irgendetwas mit damit passiert. Es sind verlorene vierzig Minuten. Gegen einen starken Gegner, der doppelt so schnell ist, probiert ein Spieler auch keinen Trick oder eine Finte. Lieber spielt er den Ball vorher ab, er sucht den einfachen Weg, um das Risiko zu minimieren. Für den Moment ist das die richtige Entscheidung. Aber bringt es die Kinder als Fußballer weiter? Nein, weil sie in den Spielen gegen zu starke Mannschaften keine so umfangreiche Bewegungserfahrung machen, wie gegen einen gleichstarken Gegner, der ihnen im Spiel die Zeit lässt auch mal einen Übersteiger oder eine Schussfinte zu versuchen. Je öfter aber Kinder ihre im Training gelernten Tricks auch im Spiel anwenden können, desto sicherer und schneller werden sie bei der Ausführung dieser Tricks und desto besser wird auch ihr Ballgefühl. In Spielen mit einem Gegner, der einem auf dem Platz keine Luft zum Atmen lässt, ist das nicht möglich.

Wer Kinder permanent gegen zu starke Mannschaften spielen lässt, bremst sie in ihrer fußballerischen Entwicklung.

Nächste Woche folgt dann der dritte Tei: Müssen Kinder wirklich so oft wie möglich gewinnen, um gute Fußballer zu werden? Und muss daher für den Sieg nicht alles mögliche getan werden?

Ein gute Fußballzeit!

Euer Michi

Gedanken zu “Die vier größten Irrtümer über Jugendfußball – Teil 2

  1. Andreas

    Mann kann alles schön reden….. Messi war meines wissen nach 12 Jahre alt als er nach Barcelona gewechselt ist…Mario Götze im der u10 zum bvb… und haben die nur 2 Kampf gelernt? In den nlz wird gutes Training angeboten …. und genau da werden Finten und Tricks geübt. Die Entwicklung ist dort viel besser als in ” Dorfvereinen”. Es kommt viel auf die Kinder an… Wie geht es mit Kritik um.. Kann es den erhöhten Druck ab… wenn das passt ist der weg zum NLZ immer die bessere Wahl… Jede Medaille hat 2 Seiten…

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    1. David Niedermeier

      Hallo Andreas
      Du hast vollkommen Recht, es gibt etliche Beispiele von Spielern, die sich von jungen Jahren bis in den Profikader in Bundesligavereinen durchgesetzt haben. Hier sprechen wir aber von absoluten Ausnahmetalenten, die im Vergleich zu den anderen Spielern im NLZ ein vielfaches stärker waren. Dies stützt unsere These. Talente entwickeln sich besonders gut, wenn Sie in Ihrem Team zu den Besten gehören und damit Ihre Finten und Tricks an den schwächeren Spielern ausprobieren können. Demnach empfinden die Besten Kinder in einem NLZ auch viel weniger Druck als die Spieler die weiter unten in der Hierarchie stehen. Ich selbst trainiere die U11 des FC Bayern und kann dieses Phänomen sehr gut beobachten. Die Spieler von denen Du sprichst waren Ihrem tatsächlichen kalendarischen Alter biologisch weit voraus und konnten sich daher extrem gut entwickeln. Was ist allerdings mit den biologisch jüngeren Kindern? Hier gibt es herausragende Talente, die sich unter diesen Bedingungen nicht optimal weiterentwickeln können. Es gilt also einen Wechsel zu einem NLZ von Fall zu Fall zu betrachten und abzuwägen welche Rolle ein Kind in diesem Team einnehmen kann. Druck führt bei Kindern stets dazu die einfachste und schnellste Entscheidung zu treffen und nicht die richtige Entscheidung. Somit führt überhöhter Druck zu einer Hemmung der Entwicklung. Spieler wie Messi, Ronaldo oder Götze haben in Ihrer jungen NLZ- Zeit keinen Druck erfahren, da sie die aller Besten in Ihrem Team waren und stets von Ihren Trainern protegiert wurden.
      Vielen dank für Deine Anregungen
      Viele Grüße
      Faxe

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  2. Basti

    Hallo Michi,

    ich finde die Beiträge super! Leider passen Theorie und Praxis doch nicht immer zusammen. Ich bin Trainer einer E-Junioren Mannschaft und wollte in dieser Saison in der Kreisliga spielen, aber da es zu wenig Mannschaften gab, wurden alle Mannschaften in die Kreisoberliga gesteckt. Die anderen Mannschaften in der Liga sind einfach zu stark, so dass die Jungs nicht viel lernen können. Jetzt meine Frage: Sollte man die Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückziehen?

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Sebastian,

      wie ich dich verstehe, läuft die Saison schon, oder? Wie viel Spiele sind schon gespielt und wo steht ihr aktuell in der Tabelle?

      Viele Grüße

      Michi

      Reply

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