David Alaba – ein Eigengewächs des FC Bayern?

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David Alaba steht in diesen Tagen ab und zu im Transfermittelpunkt. Angeblich ist der FC Barcelona an ihm interessiert. So weit, so gut. Natürlich ist das für die Presse eine lohnenswerte Schlagzeile. Aber es stellt sich für mich dabei eine Frage: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, David Alaba als Eigengewächs des FC Bayern München zu bezeichnen?

Die TZ schreibt in einem aktualisierten Artikel am 24.07.2019: “Er ist das Parade-Beispiel für das, was dem FC Bayern München in den letzten Jahren nicht gelang: David Alaba. Der Österreicher wird immer wieder als Vorbild für die Nachwuchsspieler im Nachwuchsleistungszentrum gezeigt. Alaba war das letzte Eigengewächs, welches den Sprung zu den Profis schaffte und seitdem zur Stammformation zählt (www.tz.de am 24.07.2019).”

Oder sport.de schreibt am 19.07.2019: “David Alaba schaffte es als letztes Eigengewächs aus dem Nachwuchs des FC Bayern München in den Profikader. Dort ist der Österreicher seit Jahren unumstrittene Stammkraft (www.sport.de am 19.07.2019).

Paradebeispiel für ein Eigengewächs? Um es nicht falsch zu verstehen: Mir geht es hier nicht um den tollen Fußballer David Alaba oder auch um die Nachwuchsarbeit des FC Bayern München im Speziellen. Mir geht es im Allgemeinen darum, dass viele Spieler, die den Sprung in den Profifußball geschafft haben, gerne seitens der Vereine oder auch seitens der Medien als Eigengewächs bezeichnet werden, obwohl sie das gar nicht sind. 

Ein Blick in den Duden lohnt sich. Ein Eigengewächs wird dort als “aus eigenem Anbau, aus eigener Züchtung stammendes Gewächs” definiert. Das bedeutet auf den Fußball übertragen und im Sinne der Sportwissenschaft, dass der Spieler z.B. als 8 jähriger zu einem NLZ wechselt und dort eine Grundausbildung durchläuft bis er ca. 12 Jahre alt ist. Dann wird diese technische, koordinative und taktische Basis verfeinert bis zu einem Alter von ca. 16 Jahren, um dann dies alles in den letzten beiden NLZ Jahren der U19 und je nach Leistungsniveau noch in der U21 zu stabilisieren und variabel verfügbar zu machen. Dann hat man etwas ” selbst angebaut und weiter gezüchtet bis hin zu einem starken, eigenem Gewächs”, um es mal mit den Worten des Duden zu beschreiben. Und dann hat man auch die drei sportwissenschaftlichen Phasen von Bewegungslernen im Sport  erfüllt und kann sich die Ausbildungsarbeit auf die Fahnen schreiben. Und erst dann darf man von einem Eigengewächs sprechen. Thomas Müller ist ein Eigengewächs. Philipp Lahm ist ein Eigengewächs. ABER DAVID ALABA IST KEIN EIGENGEWÄCHS DES FC BAYERN MÜNCHEN!

David Alaba wechselte zwar schon als 16jähriger zur U19 des FC Bayern.  Aber ausgebildet wurde er von seinem Heimatverein SV Aspern und ab dem 10. Lebensjahr von Austria Wien. Also haben die Bayern für die Stabilisierung des bereits sehr hohen, vorhandenen Niveaus gesorgt und dies natürlich auch schrittweise bis hin zum bekannten Weltklassespieler weiterentwickelt. Aber wie gesagt: das sehr hohe Niveau war bereits vorhanden! Das ist wie wenn man einen bereits drei Meter hohen Apfelbaum beim Gärtner kauft, sich den in den Garten einpflanzt und ihn durch bestimmte Maßnahmen noch mehr wachsen lässt. Das sieht dann sofort super aus. Aber dass aus dem kleinen Bäumchen schon mal ein drei Meter hoher Baum wurde, der erste Früchte trägt – dafür hat der Gärtner gesorgt und nicht ich.

Aber zurück zum Fußball. Sieht man sich bei transfermarkt.de um, dann entdeckt man viele dieser angeblichen Eigengewächse, welche erst mit 16 oder gar älter zu einem NLZ wechseln und dort die dritte sportwissenschaftliche Phase einer Ausbildung genießen. Und so dann zum Fußballprofi werden können. Und ich möchte diese Qualität der Arbeit in diesem Altersbereich gar nicht schmälern. Auch das ist eine Leistung, dass man bei bereits gut ausgebildeten Spielern das Nötige unternimmt und diese so formt, dass diese dann schließlich wirklich Profifußball spielen können.

Aber ausgebildet im klassischen Sinne wurden sie eben meist bei anderen Vereinen. Und somit sind diese Spieler keine Eigengewächse, wie oft behauptet. Was wiederum die Basisarbeit der NLZs in einem kritischen Licht dastehen lässt – aber das ist ein anderes Thema. 

Eine gute Fußballzeit!

Ihr Michael Schuppke

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