Aufwärmen vor dem Spiel: Warum Runden laufen? Warum überhaupt ohne Ball einlaufen?

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Die neue Jugendsaison steht vor der Tür oder hat in manchen Regionen schon begonnen. Das bedeutet nicht nur regelmäßiges Training, sondern natürlich auch endlich wieder Spiele. Und gerade in den jüngeren Jahrgängen sieht man beim Aufwärmen der Spieler einen der gravierendsten Fehler im Nachwuchsfußball: das Einlaufen ohne Ball!

Einlaufen ohne Ball – gerade für die klassischen Ausbildungsjahrgänge von der F- bis zur D-Jugend ist dies ein absolutes No-Go. Und auch für die älteren Jahrgänge sollte es eher als ein kurzes körperliches Aktivieren und dann natürlich auch gezieltes Vorbereiten der Muskulatur auf die Spielbelastung gesehen werden, als dass es zum Schwerpunkt des Aufwärmens gemacht wird. Wobei auch hier das Einlaufen am Beginn des Aufwärmen, also ein Joggen ohne Ball, keinen Sinn macht. Auch das sollte mit Ball passieren. Aber natürlich müssen ältere Jugendspieler gezielte Übungen wie Prellhosperläufe oder Movement Preps einbauen, um eben die Muskulatur auf das Spiel einzustimmen.

Bleiben wir aber zunächst mal bei den jüngeren Spielern. Hier sieht man es immer wieder – das Einlaufen ohne Ball. Manchmal in einer Reihe, manchmal ungeordnet und – mein persönlicher, negativer Favorit – hintereinander im Kreis. Schrecklich! So werden dann meist zwei bis drei Runden gelaufen bzw. es wird das getan, was als Laufen verstanden wird. Denn schon die Kleinsten sind nicht dumm. Denn auch hier gibt es die ersten, die nur ein paar Meter laufen, dann zügig ins Gehen wechseln und sich miteinander unterhalten. Warum sollen sie auch Laufen? Sie wollen Fußballspielen und so denken die Kinder bzw. Spieler nun einmal. Aber ganz unabhängig davon: Einlaufen vor dem Spiel ist speziell für diese Jahrgänge eine verlorene Zeit.

Nicht nur das Training muss als das verstanden werden, was es ja auch ist. Eine Möglichkeit, sich fußballerisch zu entwickeln. Auch das Spiel muss in den ersten Lehrjahren der Kinder als genau das angenommen werden. Dafür muss das Ergebnis nicht an obersten Stelle stehen und die Kinder müssen sich im Spiel technisch ausprobieren dürfen. Wir haben hier im Blog oft darüber informiert. Aber warum nicht auch das Aufwärmen vor dem Spiel für eine Weiterentwicklung der Spieler nutzen?

Man könnte z.B. zunächst ein Viereck markieren. Alle Spieler inkl. Torwart gehen mit Ball in das Viereck und dribbeln durcheinander. Die Spieler sollen dabei ganz normal dribbeln, also nicht mit maximaler Geschwindigkeit. Der Trainer fordert von den Kids nun immer wieder die Ausführung von bereits erlernten Tricks ein. Oder jeder Spieler gibt einen Trick vor. Das Ganze machen die Spieler 5 Minuten lang, so dass jeder Trick 5-6 Mal geübt wird. Dann gehen die Kinder zur nächsten Aufwärmübung, die der Trainer im Idealfall schon vorher aufgebaut hat.

Die Übung Basics – Wendetechniken eignet sich wunderbar für das Aufwärmen. Die Spieler dribbeln, führen fußballspezifische Tricks durch und spielen Pässe. Also alles, was sie nachher im Spiel auch benötigen. Dies machen die Spieler so für ca. 8 Minuten. Danach trinken die Kinder ein wenig und können dann gerne zum beliebten Torschuss übergehen.

ABER BITTE: Nicht alle Kinder in einer Reihe anstellen lassen, die ersten 5 Spieler haben einen Ball und dann den Klassiker durchführen: der erste spielt den Ball zum Trainer, der legt ab und es wird direkt auf das Tor geknallt. Der muss dann den Ball holen und an einen anderen Spieler in der Reihe weitergeben und wenn er weit über das Tor geschossen hat, dann dauert es ewig, bis ein weiterer Spieler den Ball bekommen hat.

Daher: Auch hier müssen alle Spieler einen Ball haben. In der Regel hat man ja mindestens 10 Spieler. Dann müssen zwei Gruppen gebildet werden. Ein Gruppe befindet sich zentral vor dem Tor, die andere Gruppe wartet mit Ball neben dem Tor. Der erste Spieler dribbelt an, führt einen Frontaltrick durch und schießt auf das Tor. Danach bekommt er im Anschluss einen zweiten Ball flach oder hoch vom Mitspieler neben dem Tor zugespielt, welchen er annehmen und mit dem anderen Fuß abschließen soll. Danach holen beide Spieler ihre Bälle und tauschen die Positionen und damit auch ihre Aufgaben. Das Ganze kann nochmal 8 Minuten dauern.

Dann hat man sich so ca. 20 bis 25 Minuten aufgewärmt, was völlig ausreichend ist. Es macht also auch keinen Sinn, 45 Minuten vor Spielbeginn mit dem Aufwärmen zu beginnen. Dann ist man 15 Minuten vor Spielbeginn fertig und muss zu lange warten. Die Kinder fangen dann an, die Konzentration zu verlieren, was völlig normal ist. Daher ist es besser, 30 Minuten vor Spielbeginn mit dem Aufwärmen zu beginnen. 5 Minuten vor Spielbeginn gehen dann alle Kinder nochmal kurz in die Kabine oder sammeln sich je nach Wetter auch auf dem Platz in einer ruhigen Ecke mit ihrem Trainer. Dort trinken sie nochmal was, bekommen noch ein paar letzten Anweisungen und dann geht es auch schon los.

Und wie sieht es mit dem klassischen 5:5 am Ende des Aufwärmen aus? In der F- und E-Jugend würde ich von einem kurzen 5:5 auf engem Raum, kurz bevor man in die Kabine geht, noch absehen. Ab der D-Jugend kann man sowas dann schon einbauen. Dies könnte auch zum Beispiel ein 4:4 plus 3 sein. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die die Spieler so 2-3 Minuten nochmal kurz spielen sollen, um letztmals die Spannung zu erhöhen und um die Spieler mental und fußballerisch auf das Spiel vorzubereiten. Dies braucht es aber wie gesagt in der F- und E-Jugend noch nicht.

Wenn man das Aufwärmen in den Ausbildungsjahrgängen so gestaltet, dann erfüllt das Aufwärmen noch einen ganz anderen Zweck als “nur” Vorbereiten auf das Spiel. Die Kinder können auch diese Zeit nutzen, um sich fußballerisch zu verbessern. Sie haben im Prinzip eine gute halbe Stunde den Ball am Fuß und stabilisieren die gelernten Tricks, Dribbeltechniken, Ballannahmen, Passtechniken und Torschusstechniken. Man nutzt also auch diese Zeit, um die Kinder besser zu machen. Und verspielt nicht eine wertvolle Möglichkeit mit sinnlosem Rundenlaufen ohne Ball oder langen Anstellzeiten!

Ab dem zweiten Jahr in der D-Jugend, also mit beginnender Pubertät bei den ersten Spielern, müssen noch andere Inhalte in das Aufwärmen gepackt werden. Darüber schreibe ich in einem neuen Artikel.

Bis dahin eine gute Fußballzeit!

Euer Michi Schuppke

Gedanken zu “Aufwärmen vor dem Spiel: Warum Runden laufen? Warum überhaupt ohne Ball einlaufen?

  1. Lars Lenser

    Hi Michi,

    sehr interessanter Artikel. Leider kommt es noch viel zu häufig vor, das Kinder stumpf Runden drehen – natürlich ohne Ball. Bei uns im Verein war auf der letzten Trainersitzung der Verantwortliche der B-Jugend so stolz darauf, das seine Kids eigenständig Runden laufen, wenn er sich mal verspätet. Das würden die seit der D-Jugend so machen. Leider fehlt den meistens Trainern im Amateurfußball einfach das Wissen, wie sie es besser machen könnten. Da kommt so ein Artikel wie dieser hier wie gerufen.

    Vielen Dank

    Sportliche Grüße
    Lars

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Lars,

      vielen Dank für das Lob. Wir hoffen, dass hier endlich ein Umdenken stattfindet. Das ist so einfach eine verlorene Zeit!

      Viele Grüße
      Michi Schuppke

      Reply
  2. Manuel

    Hi,

    der Artikel ist wichtig, zu viele haben das noch immer nicht verstanden. Auch weitere komplexe Koordinationsübungen sollten immer mit Ball kombiniert werden.

    Eine zu diskutierende Frage dazu gibt es aber dennoch, auch bei jüngeren Kindern und zwar bei denen, die Haltungsprobleme, Hohlkreuz, Knickfüsse etc. haben und bei Kindern die ungelenk oder übergewichtig sind, dank Bewegungsmangel. Zwar ist das oft auch ein Fall für den Orthhopäden oder Physio, im Breitensport kann man auch als Trainer mit z.B. einem Lauf-ABC und Kräftigungsübungen (teilweise auch ohne Ball?) mitwirken. Es betrifft mehr Kinder, als die meisten denken. In vielen Teams heutzutage oft weit über 30 Prozent, Tendenz steigend.

    Das hat natürlich nichts mit stumpf Runden laufen lassen zu tun, ist etwas Off-Topic, muss aber irgendwie im Training berücksichtigt werden, vielleicht könntet ihr darauf in einem eigenen Beitrag eingehen?

    Danke und VG

    Reply
    1. Michi Schuppke Autor

      Hallo Manuel,

      wir können gerne mal dazu einen kurzen Beitrag schreiben. Denn du hast recht, das ist ein größer gewordenes Problem.

      Vielen Dank und viele Grüße
      Michi

      Reply

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