Ancelotti, Müller und die Torflaute

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Letztes Jahr zählte Thomas Müller um diese Zeit als einer der Anwärter auf die Torschützenkanone in der Bundesliga. Dieses Jahr hat Thomas Müller nach dem 21. Spieltag erst 1 Tor in der Bundesliga zu verzeichnen. Wo liegen die Gründe dafür? Wir von der MFS haben uns darüber Gedanken gemacht und haben folgende Gründe herausgearbeitet.

Oft wird bei einer Torflaute die Psyche des Spielers in den Vordergrund gestellt. Das ist ja klar: trifft der Spieler nicht, dann führt das zwangsläufig zu einem Verlust des Selbstvertrauens. Bleibt die Frage nach dem Warum. Warum trifft er nicht? Läuft es einfach nicht? Oder kann dies auch andere Ursachen haben? Unserer Meinung nach spielen hier nicht nur mentale, sondern auch taktische Gründe eine nicht unerhebliche Rolle.

Zunächst möchten wir aber die mentale Verfassung von Müller beleuchten. Auffällig war von Beginn der Saison an, dass Ancelotti unbedingt Thiago auf der 10 haben wollte, egal ob der FC Bayern im 4-3-3 oder 4-2-3-1 antrat. Auf diese Weise wurde Thomas Müller zu Beginn erst einmal auf dem Flügel aufgestellt. Thomas Müller ist zwar in der Lage auf dem Flügel zu spielen, fühlt sich aber nicht annähernd so wohl wie im Zentrum und kommt hier auch nicht so häufig zu Abschlussmöglichkeiten. Dazu kommt, dass die Konkurrenz auf dem Flügel extrem stark ist, wodurch sich Thomas Müller von Anfang an seines Stammplatzes nicht sicher sein konnte. Spielen durfte er zu Beginn auf Grund der Verletzungen von Ribéry, Robben und Costa.

Das einstige Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und damit die verbundene Spielfreude und das typische Müllersche Selbstverständnis scheinen mittlerweile komplett abhandengekommen zu sein. Man hat so auch den Eindruck, dass Thomas Müller das Vertrauen von Ancelotti nicht spürt und deshalb sein Potential nicht abrufen kann.

Hinzu kommen einige taktische Gründe. Wie wir in vorangegangenen Artikeln bereits öfter herausgestellt haben, unterscheidet sich Ancelottis Spielsystem sehr von dem seines Vorgängers. Während der Gegner unter Guardiola mit Hilfe von „Veränderungen im Spielaufbau“ am eigenen Sechzehner eingeschnürt wurde, zieht es Ancelotti vor, sich immer wieder zurückzuziehen und dem Gegner Raum für Spielaufbau zu lassen. Damit verspricht er sich mehr eigene Kontermöglichkeiten und weniger körperliche Belastung für seine Spieler. Durch diese Spielweise befindet sich der Ball jedoch seltener in gegnerischer Strafraumnähe. Aufgrund dieser Spielweise ist bei Flanken der Strafraum auch mit nur wenigen Spielern besetzt.  Aus diesem Grund hat sich die Anzahl der Flanken in den Sechzehner verringert. Und für die Gegner ist dies auch leichter zu verteidigen. Denn diese können sich in leichter an den wenigen Angreifern im Sechzehner orientieren und meist in Überzahl verteidigen.

Unter Guardiola befand sich der Ball fast das komplette Spiel in Tornähe, die Anzahl an Flanken war extrem hoch. Der Sechzehner war durch das Einschnüren des Gegners teilweise durch 6 Spieler besetzt und damit die Anzahl der Tormöglichkeiten fast doppelt so hoch wie unter Ancelotti. So scheint es kein Wunder, dass Thomas Müller weniger Tore schießt, wenn er nur die Hälfte der Chancen bekommt.

Und: das extreme Gegenpressing unter Guardiola führte zu vielen Ballgewinnen. Gerade Thomas Müller profitierte von diesen tornahen Balleroberungen gegen den für einen kurzen Moment unorganisierten Gegner.

Es stellt sich aber automatisch die Frage, wieso Lewandowski im Vergleich zu Müller so viele Tore macht. Auch dies ist taktisch leicht zu erklären. Unter Ancelotti genießen die Spieler mehr Freiheiten als unter Guardiola. Während die Stürmer und Flügelspieler im jetzigen System die neugewonnenen Freiheiten wahrnehmen und weniger in die Defensive arbeiten, fühlt sich Thomas Müller auf Grund seiner Persönlichkeit verpflichtet, weiterhin zurück zuarbeiten. Die Folge ist, dass das Team v.a. in der Bundesliga nie wirklich kompakt steht. Bei Ballgewinn ist der Weg für Thomas Müller bis in die Spitze nun viel weiter als für die vorne „stehengebliebenen“ Flügelspieler und Stürmer. Die Laufleistung von Thomas Müller mit konstant ca. 12 km pro Spiel beweist sein Pflichtbewusstsein gegenüber seinen Mitspielern.

Während sich Lewandowski nicht immer konsequent mit nach hinten arbeitet und so seine Kräfte komplett für den Angriff mobilisieren kann, ist der Weg für Thomas Müller nach Ballgewinn und schnellem Spiel in die Spitze zu weit.

All diese Gründe haben dazu geführt, dass letztlich einer der erfolgreichsten Angreifer der Nationalmannschaft und des FC Bayern vorerst seine Qualität verloren hat. Man merkt, dass er selbst im Moment auch nicht an seine Fähigkeiten glaubt. Häufig trifft er aus Verunsicherung über seine Situation die falsche Entscheidung und folgt nicht mehr seiner Intuition.

Wir wollen Thomas Müller zurück!!

Eine gute Fußballzeit!

Euer David Niedermeier

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